Archiv der Kategorie: Wissenschaft und Forschung

Beiträge über aktuelle Forschungen und wissenschaftliche Erkentnisse über Schildkröten und deren Evolution

Von Schildkröten Panzer inspirierte Pille für Diabetiker

Derzeit wird an einer besonderen Pille für Diabetiker geforscht, die Patienten mit Insulin versorgen soll. Es handelt sich dabei um eine Pille mit einer kleinen Nadel, welche geschluckt werden soll und die sich dann an der Magenwand festsetzt, um dort das Insulin freigibt. Das Besondere an der Pille ist dabei die Form. Sie ist dem Panzer der Pantherschildkröte (Stigmochelys pardalis) nachempfunden. Die Form des Panzers ermöglicht es der Pantherschildkröte sich schnell wieder herumzudrehen, wenn diese auf dem Rücken gelangt ist. Bei der Insulinpille bewirkt die Form, dass sich die Pille automatisch ausrichtet und sich so in der Magenwand festsetzen kann.

Erste Tests bei Schweinen liefen sehr positiv. Die Tests sollen noch ausgeweitet werden und man geht davon aus, dass in drei Jahren erste Tests bei Menschen gemacht werden können. Die Pille könnte Diabetikern helfen ihre Medikamente zu nehmen, die Angst vor Nadeln oder den Schmerzen haben.

In folgendem Video ist zu sehen, wie die Pille funktioniert. (ab ca. 1:20)

Schildkröten Urahn hatte Krebs

Untersuchungen eines 240 Millionen Jahre alten Fossils von Pappochelys rosinae ergaben, dass das Tier einen Tumor hatte. Bei dem Fossil handelt es sich um einen Urahnen der Schildkröten und beweist nun, dass es Krebserkrankungen schon vor den Dinosauriern gab. Es ist möglich, dass diese auch daran erkranken konnten. Bei dem diagnostizierten Tumor handelt es sich um einen Knochenkrebs am Oberschenkel. Das interessante ist, dass diese Krebsform auch beim Menschen bekannt ist. Man hofft nun durch neue Erkenntnisse Behandlungsmöglichkeiten des Tumors zu finden.

Langes Leben steckt Schildkröten in den Genen

Es ist nun schon 6 Jahre her, dass die letzte Pinta Riesenschildkröte (Chelonoidis abingdonii) Lonesome George gestorben ist. Auch nach all der Zeit verrät uns die vermutlich berühmteste Schildkröte der Welt das ein oder andere Geheimnis. In der Fachzeitschrift Nature erschien jetzt das Ergebnis neuerer DNA-Untersuchungen. Langes Leben steckt Schildkröten in den Genen weiterlesen

Roboter Schildkröte soll Kindern Respekt beibringen

Es klingt ein wenig kurios, doch es hat einen durchaus ernsten Hintergrund. Studien aus Japen zeigen, dass Kinder immer respektloser mit Robotern umgehen und ihre Grenzen an ihnen austesten. Hauptgründe sind Neugier, Spaß und Gruppenzwang. Roboter werden geschubst, getreten und regelrecht gemobbt.  Dies könnte in Zukunft zu Problemem führen, wenn teure Roboter in ihrer Arbeit sabotiert oder kaputt gemacht werden.

Eine kleine Roboter Schildkröte namens Shelly, soll kleinen Kindern den respektvollen Umgang mit Robotern beibringen. Sensoren im Panzer messen, ob die Schildkröte gerade liebevoll behandelt oder geschlagen wird. Bei ersterem leuchten kleine Lampen in bunten Farben, während sie bei unsanfter Behandlung rot wird und die Schildkröte für 14 Sekunden den Kopf einzieht und so lange eine Interaktion verweigert.

Schildkröte Shelly (Bild: Naver Labs)

(Futter-) Pflanzenbestimmung mit Google Lens

Als verantwortungsbewusster Halter möchte man seine Schildkröte so abwechslungsreich wie möglich füttern, damit sie alle nötigen Nährstoffe bekommt und sich gut entwickeln kann. Immer wieder schaut man sich nach neuen Pflanzen um. Doch wenn man dann eine neue Pflanze entdeckt hat stellt sich zwangsweise die Frage: Was für eine Pflanze ist das eigentlich und kann ich sie an meine Schildkröte verfüttern? Einschlägige Internet-Foren und Facebook-Seiten sind voll mit eingesendeten Fotos und eben jenen Fragen. Teilweise werden sie geduldig beantwortet, doch manchmal wird einfach nur auf Literatur verwiesen.

Bildquelle: heise.de

Eine große Hilfe könnte in naher Zukunft von Google kommen. Google Lens heißt die Wunderwaffe. Lens ist ein Bildanalyse-Tool, dass unter anderem in der Lage sein soll fotografierte Pflanzen zu erkennen und einem dann eine passende Beschreibung dazu auszuspucken. Wie das in der Praxis genau aussieht ist derzeit aber noch unklar. Bislang war das Tool lediglich für Besitzer eines Google Smartphones als Testphase vorbehalten. In den kommenden Wochen soll Google Lens jedoch für alle Android- und iOS-Besitzer zur Verfügung gestellt werden. Es wird sowohl in „Fotos“ als auch in „Assistant“ enthalten sein. Bei letzterem jedoch mit der Einschränkung, dass die Systemsprache auf Englisch eingestellt sein muss. Für „Fotos“ ist mir bislang keine solche Einschränkung bekannt, sodass das Tool auch für alle verwendbar sein müsste.

Wenn Lens verfügbar ist, werde ich es definitiv testen und für euch einen kleinen Erfahrungsbericht zusammen stellen. Sollte die Pflanzenbestimmung damit so leicht sein wie es klingt, dann könnte zumindest die Frage um welche Pflanze es sich handelt leicht geklärt werden, ohne dabei auf ein botanisches Bestimmungsbuch zurückgreifen zu müssen. Dann muss man nur noch heraus finden, ob die Pflanze für Schildkröten fressbar ist oder nicht.

Klimawandel: Schlüpfen irgendwann nur noch weibliche Schildkröten?

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Schildkröten sind noch nicht gänzlich geklärt, lassen aber böses vermuten. BBC, Der Spiegel oder die Washington Post schockieren gerade mit Überschriften in denen es heißt, dass wegen des Klimawandels 99% der geschlüpften Meeresschildkröten Weibchen sind und nur noch 1% Männchen. Anlass ist ein in „Current Biology“ veröffentlichter Artikel von Jensen et al., bei dem die Ergebnisse von Untersuchungen am Great Barrier Reef in Australien vorgestellt werden, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Untersucht wurden 3 Gebiete entlang des Great Barrier Reef an denen Suppenschildkröten Chelonia mydas nisten. Eins am nördlichen, eins am südlichen Ende des Riffs und eins auf den Korallenmeerinseln. Auf der Karte unten sind die Gebiete eingezeichnet. Im kühleren Süden lag der Anteil an Weibchen bei 65%-69%, wohingegen der Anteil im wärmeren Norden bei 99,1% bei juvenilen, 99,8% bei semi-adulten und 86,8% bei adulten, also geschlechtsreifen, Schildkröten lag. Demnach wäre also ein klarer Trend für einen höheren Anteil an Weibchen in wärmeren Gebieten zu erkennen. Das Geschlecht von Schildkröten ist abhängig von der Temperatur im Ei. Aus kühleren Eiern schlüpfen Männchen und aus wärmeren Weibchen. Diese Tatsache würde die Annahme bestätigen, dass mit steigenden Temperaturen künftig deutlich mehr Weibchen schlüpfen werden als heutzutage.

Quelle: „Environmental Warming and Feminization of One of the Largest Sea Turtle Populations in the World“ by Jensen et al.

Die Autoren merken aber auch an, dass die Untersuchungsmethode gerade bei den juvenilen Tieren mitunter recht ungenau sein könnte. Die einzige Methode das Geschlecht eindeutig zu bestimmen liegt in der Untersuchung der Geschlechtsdrüse, welche nur bei toten Tieren gemacht werden kann. Da es ethisch verwerflich gewesen wäre Tiere dafür zu töten, wurden lediglich bereits tote Tiere untersucht, die hauptsächlich Krähenkolonien zum Opfer gefallen sind. Das eigentliche Verhältnis von männlichen zu weiblichen Schildkröten könnte daher durchaus verzerrt sein. Darüber hinaus wird angemerkt, dass der hohe Anteil an Weibchen auch andere Gründe haben könnte. Die Population im Norden war in der Vergangenheit stark geschrumpft und es könnte sein, dass die Natur auf andere Weise Einfluss ausübt und mehr Weibchen schlüpfen, um die Population zu stabilisieren.

Desweiteren ist völlig unklar wie die Zukunft der Schildkröten aussieht. Schildkröten gab es vor den Dinosauriern. In den über 200 Millionen Jahren gab es auf der Erde immer wieder verschiedenste klimatische Bedingungen. Ich persönlich habe die Hoffnung, dass Schildkröten weiterhin überleben werden, obwohl sie sich nur vergleichsweise langsam an die klimatischen Änderungen anpassen können.

Quelle: Jensen et al., „Environmental Warming and Feminization of One of the Largest Sea Turtle Populations in the World“ in Current Biology , Volume 28 , Issue 1 , 154 – 159.e4.