Archiv der Kategorie: Wissenschaft und Forschung

Beiträge über aktuelle Forschungen und wissenschaftliche Erkentnisse über Schildkröten und deren Evolution

Neue Unterart der Fransenschildkröte entdeckt

Die Fransenschildkröte, auch als Mata-Mata bekannt, mag vielleicht nicht jeder kennen, wegen ihres skurrilen Aussehens zählt sie jedoch zu den bekannteren Schildkröten Arten. Bisher wurde lediglich eine einzige Art beschrieben, doch große optische Unterschiede zwischen einzelnen Populationen veranlassten Wissenschaftler dazu genauer hin zu sehen.

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Schildkröten Fakt zum Wochenende #15

Nach langer Zeit kommt hier mal wieder ein kleiner Fakt zum Wochenende. Dieses Mal geht es um eine einzigartige Eigenschaft von Schildkröten. Schildkröten sind nämlich die einzigen Reptilien, die einen anapsiden Schädel haben. Das bedeutet, dass sie keine Schädelfenster besitzen.

Anapsider Schädel
Synapsider Schädel
Diapsider Schädel

In der Vergangenheit gab es durchaus weitere Reptilien mit anapsiden Schädeln, die alle ausgestorben sind, und wahrscheinlich war dies der ursprüngliche Schädeltyp. Schildkröten machten jedoch wahrscheinlich die umgekehrte Entwicklung. Vollständig geklärt ist das meines Wissens aber noch nicht. Je nach untersuchten Fossilien, gibt es da gegensätzliche Hinweise.

Und mit diesem neu erworbenem Wissen wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

Quellen:
Wikipedia – Schädeltypen der Amnioten
Chiari et al. – Phylogenomic analyses support the position of turtles as the sister group of birds and crocodiles (Archosauria)

Entwicklung von Schildkrötenhals und -schädel wohl eng verknüpft

Schildkröten sind schon wahrlich außergewöhnliche Tiere. Sie sind die einzigen Wirbeltiere, deren Schulter- und Beckengürtel innerhalb des Brustkorbs liegen. Außerdem haben sie als einzige Reptilien einen anapsiden Schädel. Das bedeutet, dass der Schädel mit Ausnahme der Augen- und Nasenhöhlen, keinerlei Schädelfenster besitzt. Sämtliche andere Reptilien mit anapsiden Schädeln sind ausgestorben. Dabei geht man aber davon aus, dass der Schädel der Urschildkröte durchaus Schädelfenster hatte, die sich im Laufe der Evolution geschlossen haben. Die Evolution der Schildkröte gibt den Forschern immer noch viele Rätsel auf. Immerhin konnten in den letzten Jahren einige Fragen um die Entwicklung des Panzers geklärt werden.


Lies auch folgende Beiträge:
Wie sich der Schildkröten Panzer entwickelte
Warum Schildkröten einen Panzer haben
Ringmuskel zum atmen machte Panzer erst möglich


Wie genau sich der Schädel jedoch entwickelte, weiß man noch nicht. Nicht nur die Form an sich ist einzigartig, auch die Flaschenzug ähnliche Muskulatur des Kiefers. Bisher ging man davon aus, dass sich diese im Zuge eines geänderten Fressverhaltens entwickelt hat und der Schildkröte zu mehr Beißkraft verhalf. Ferraira et al. veröffentlichten jetzt jedoch einen Artikel, bei dem sie die Beißkraft untersuchten. Dazu analysierten sie die Schädel mehrerer Schildkröten verschiedener Zeitalter, die unterschiedliche Anordnungen der Kiefermuskulatur hatten. Das Ergebnis: Die Neuanordnung der Muskulatur im Kiefer, führte nicht zu einer höheren Beißkraft. Es deutet viel mehr darauf hin, dass die Veränderung der Muskulatur dazu führte, dass der Kopf sich versteifen konnte. Dieser wurde im Laufe der Evolution immer belastbarer.

Damit ein solch steifer Kopf bei einem so starren Körper möglich ist, braucht es einen flexiblen Hals, den Schildkröten in der Tat haben. Der Hals ermöglicht es der Schildkröte, trotz Panzer, sehr mobil zu bleiben und Beute zu machen. Die Forscher folgern daher, dass die Entwicklung von Hals und Schädel eng miteinander verbunden sein muss.

Myuchelys novaeguineae

Quellen: Ferreira, G.S., Lautenschlager, S., Evers, S.W. et al. Feeding biomechanics suggests progressive correlation of skull architecture and neck evolution in turtles. Sci Rep 10, 5505 (2020).
https://doi.org/10.1038/s41598-020-62179-5  

Uni Tübingen – Panzerpuzzle: Weiteres Teil der Schildkrötenevolution hinzugefügt

Neues Verfahren ermöglicht es das Geschlecht von Schlüpflingen zu bestimmen

Wer sich mit Schildkröten beschäftigt der weiß, dass die Bestimmung des Geschlechts erst ab einem gewissen Gewicht möglich ist. Schildkröten haben keine Geschlechtschromosomen, anhand derer sich das Geschlecht bestimmen ließe. Welches Geschlecht ein Individuum hat, entscheidet sich durch die Temperatur im Ei. Dennoch muss man sich ein paar Jahre gedulden, bis sich die typischen Geschlechtsmerkmale herausgebildet haben und das Geschlecht eindeutig bestimmt werden kann. Die einzige alternative wäre eine Laparoskopie, ein chirurgischer Eingriff an den Flanken, bei dem der Blick auf die Geschlechtsteile freigelegt wird.

Wissenschaftler von der Florida Atlantic University haben jetzt aber eine neue Methode entwickelt, um das Geschlecht mittels Blutprobe zu bestimmen. Dabei suchten die Wissenschaftler nach Eiweißen, die schon seit einiger Zeit im Verdacht standen eine wichtige Rolle in der Geschlechtsdifferenzierung zu spielen. Bei den Untersuchungen fand man heraus, dass das Anti-Müller-Hormon ausschließlich in Blutproben von frisch geschlüpften Männchen, nicht aber von Weibchen nachweisbar ist. Die Methode wurde an Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta), sowie an Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta) getestet. Laparoskopien bestätigten, das die Methode zu 100% zuverlässig bei 1-2 Tage alten und zu 90% zuverlässig bei 83-177 Tage alten Schildkröten ist.

frisch geschlüpfte Suppenschildkröte

Mithilfe der neuen Methode sollen die Geschlechterverhältnisse einzelner Gelege genauer bestimmt werden und man erhofft sich in Zukunft eine Aussage über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Verhältnis treffen zu können. Dann könnte man auch über sinnvolle Maßnahmen nachdenken.

Quellen: Science Daily – Scientists develop new way to identify the sex of sea turtle hatchlings

Boris Tezak, Itzel Sifuentes-Romero, Sarah Milton, Jeanette Wyneken. Identifying Sex of Neonate Turtles with Temperature-dependent Sex Determination via Small Blood SamplesScientific Reports, 2020; 10 (1) DOI: 10.1038/s41598-020-61984-2

Warum Schildkröten so viel Plastikmüll fressen

Es ist eines der größten Umweltprobleme, die wir derzeit haben. Unzählige Tonnen Plastikmüll verschmutzen die Natur. Nicht nur an Land, sondern auch im Wasser. In unseren Meeren gibt es riesige Inseln aus Müll, die an der Oberfläche treiben. Doch auch unter Wasser ist er überall zu finden. Leider verenden jedes Jahr unzählige Tiere, die den Müll versehentlich fressen. Auch Schildkröten sind davon betroffen. Sie verfangen sich in weggeworfenen Fischernetzen oder verwechseln Müllbeutel mit Quallen, die Leibspeise der Lederschildkröte.

Müllskulptur Two Oceans Aquarium Cape Town
Skulptur aus Müll im Two Oceans Aquarium Cape Town

Doch es sind nicht nur Müllbeutel die gefressen werden, sondern auch andere Formen von Plastik. Doch warum ist das so? Verwechslungsgefahr besteht da eigentlich wenig. Die Frage nach dem Warum beschäftigte auch den Meeresbiologen Joseph Pfaller von der University of Florida. Er hatte die Vermutung, dass die Tiere nicht nur von dem Aussehen, wie im Falle der Plastiktüten, sondern auch vom Geruch des Plastiks angelockt werden.

Daher startete er mit seinem Team einen Versuch. 15, in Gefangenschaft aufgezogene, Unechte Karettschildkröten wurden diversen Duftstoffen ausgesetzt. Diese wurden über Röhrchen ins Wasser geleitet. Es gab Proben mit dem Geruch von Futter und Proben mit dem Geruch von Plastik, an dem sich ein Biofilm aus Algen, Garnelen und anderen Kleintieren abgesetzt hatte. Zur Kontrolle gab es Geruchsproben von entionisiertem Wasser und sauberem Plastik. Dabei reagierten die tierischen Probanden auf die Proben des Plastiks mit Biofilm in etwa so wie auf die Futterproben. Auf das saubere Plastik reagierten sie jedoch nicht so.

Der Geruch des Plastiks lockt die Schildkröten also nicht direkt an. Erst der Geruch der abgelagerten Algen und Kleintiere, sorgt für den verheerenden Irrtum. Leider lässt sich das nicht vermeiden, weswegen auch in Zukunft unzählige Tiere durch den Verzehr von Plastik verenden werden.

Quelle: Der Tagesspiegel – Geruch von Plastikmüll lockt Schildkröten an.

Fossilienfund riesiger Schildkröte weist Besonderheit auf

Zeitungsberichten zufolge haben Forscher der Universität Zürich bei der Auswertung von Fossilienfunden aus Südamerika eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Die Überreste einer der größten Schildkröten, die je gelebt hat, fügen nicht nur ein Puzzlestück in den Stammbaum der Schildkröten ein, sie weisen auch ein einzigartiges Merkmal auf.

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