Die bevorzugte Körpertemperatur der Griechischen Landschildkröte und ihre Fähigkeit diese zu regulieren

Die bevorzugte Körpertemperatur der Griechischen Landschildkröte und ihre Fähigkeit diese zu regulieren

Schildkröten sind bekanntermaßen wechselwarme Tiere. Man kann auch Kaltblüter, poikilotherm oder ektotherm sagen. Das heißt, dass sie keine konstante Körpertemperatur haben, da sie die Wärme nicht selbst erzeugen können und somit auf andere Wärmequellen angewiesen sind. Viele Fragen werfen sich dabei auf: Welche Körpertemperatur benötigen die Tiere? Wie genau erreichen sie diese? Welchen Einfluss hat das auf die artgerechte Haltung?

In Foren und Ratgebern findet man leider sehr unterschiedliche Angaben (online wie offline). Manchmal lese ich etwas von 30°, meistens eher etwas in Richtung 37° im Zusammenhang mit dem Wort „Vorzugstemperatur“, wobei dieses Wort von den Verfassern auch unterschiedlich interpretiert wird. Einige meinen damit die Körpertemperatur, andere wiederum die Temperatur der Wärmelampe. Doch gibt es überhaupt eine Vorzugstemperatur und wie sieht diese aus?

Um dieser Frage nach zu gehen, habe ich nach wissenschaftlichen Artikeln zu dem Thema gesucht und bin sehr schnell fündig geworden. Die Körpertemperatur von Griechischen Landschildkröten und wie diese zustande kommt, wurde schon in den 50er Jahren erforscht und wird es bis heute. Allerdings insbesondere für die westliche Unterart Testudo hermanni hermanni. Die spannendsten Studien möchte ich euch einmal vorstellen. Es wird jetzt ein bisschen wissenschaftlich, aber ich verspreche dass es sehr interessant ist.

Inhaltsverzeichnis

Der Stand der Forschung

Bereits 1956 bestimmte Cherchi [1] das kritische Maximum für die Körpertemperatur in einer Laborstudie mit 39-42 Grad Celsius. Temperaturen darüber sind demnach absolut tödlich.

In den 80er Jahren untersuchte Roger Meek [2] die östliche Unterart Testudo hermanni boettgeri im Süden Yugoslawiens, sowie Pulford et al. [3] die westliche Unterart in Frankreich. Beide kamen zu dem Ergebnis, dass die Körpertemperatur nachmittags am höchsten ist und weder mit der Luft- noch mit der Bodentemperatur korreliert. Demnach liegt die Körpertemperatur meistens deutlich über der Lufttemperatur und auch über der Bodentemperatur, sofern letztere unter 28 Grad beträgt.
Pulford et al. geben die durchschnittliche Körpertemperatur mit 28,5 Grad an, während Meek diese etwas genauer aufdröselt von Morgens 27,5° bis Nachmittags 29,8°. Die höchsten Temperaturen lagen bei 34 Grad. Ein beobachtetes Männchen hatte morgens 24,1 Grad, sonnte sich 2 Stunden lang, kam auf 31 Grad und kühlte sich bei einem Paarungsakt im Schatten auf 26 Grad herunter. Jungtiere hatten im Schnitt die höchsten Körpertemperaturen und die kleineren Männchen eine Höhere als die größeren Weibchen. Meek stellte zudem fest, dass sich die meisten Schildkröten in der Regel nur 2-3 Meter vom Schatten entfernt aufhielten. Von 117 beobachteten Tieren, gab es nur 1 Tier, dass sich 12m vom nächsten Schatten entfernt aufhielt. Dabei zeigten die Studien, dass die Schildkröten schon bei 20-24 Grad genügend Sonnenenergie tanken konnten, um auf Körpertemperaturen von 28-30 Grad zu kommen. Da die Messhöhen der Lufttemperatur unterschiedlich waren, kann man die Werte beider Studien leider nicht direkt miteinander vergleichen.

Wie wichtig Schatten für Griechische Landschildkröten ist, stellten Filippi et al. [4] in einer Studie zwischen 2002 und 2003 in den italienischen Tolfa Bergen fest. Das dortige Habitat ist von sehr viel Dickicht geprägt, was die Autoren als Grund für das ausgeglichene Geschlechterverhältnis von 1:1 anführen. Auch sie fanden keinen Zusammenhang zwischen Körper- und Luft- bzw. Körper- und Bodentemperatur. Je niedriger die Lufttemperatur, desto größer der Unterschied zwischen ihr und der Körpertemperatur.

Adulte Griechische Landschildkröte

Das die Körpertemperatur nicht 1 zu 1 von der Umgebungstemperatur abhängig sein kann, vermutete auch ein Forscherteam um Daubremont [5]. 1996 untersuchten sie im französischen Massif des Maures, 3 Schildkröten einer Auffangstation für verletzte Tiere. Das nördlichste Vorkommensgebiet der westlichen Unterart ist ein sehr waldiges Gebiet in den Bergen, wo die Sonne von den Baumkronen in ihrer Kraft gebremst wird. Eigentlich sprechen die Umstände gegen ein Vorkommen der Landschildkröte. Messungen und Beobachtungen ergaben, dass die Tiere auch hier in der Lage waren ihre Körpertemperatur auf durchschnittlich bis zu 30,8° Celisus im Juli zu bringen. Trotz des waldigen Gebiets konnten die Tiere bei Lufttemperaturen ab 25 Grad gute Werte für die Körpertemperatur durch die Sonne erzielen. In den Sommermonaten zeigten die Tiere eine zweigeteilte Aktivitätsphase und stellten ihre Aktivitäten sogar für einige Tage ganz ein, wenn es zu heiß wurde. Mithilfe von Kanülen, konnte die Körpertemperatur sogar während der Winterstarre gemessen werden. Während die Luft und die Bodentemperatur, sich im Januar auf unter 5 Grad herabkühlten, blieben die Körpertemperaturen oberhalb von 10 Grad. Ein erstaunliches Ergebnis.

Einen Ausreißer markiert die 2016 durchgeführte Studie von Ortega et al. auf der Baleareninsel Menorca. Hier fand man sehr wohl eine Korrelation zwischen Boden- und Körpertemperatur. Zudem hielten sich Weibchen bevorzugt auf wärmerem Boden auf als Männchen. Die mittlere Körpertemperatur beider Geschlechter war sehr ähnlich und lag zusammengenommen bei 29,95 Grad. Allerdings lag die Körpertemperatur bei 60% der Tiere über dem Mittel. Die Wissenschaftler schließen aus ihren Daten, dass die Griechischen Landschildkröten es auf Menorca schwer haben ihre Körpertemperatur richtig zu regulieren, weisen aber auch darauf hin, dass es weiterer Forschung bedarf, um den Sachverhalt eindeutig zu klären.

Zusammenfassung

Kurz zusammen gefasst, liegt die durchschnittliche Körpertemperatur, und damit die Vorzugstemperatur, der Griechischen Landschildkröte bei etwa 30° Celsius. Diese ist unabhängig von der Lufttemperatur und wird durch das Verhalten aktiv reguliert. Die Griechische Landschildkröte ist also ein Thermoregulierer und kein Thermoconformer.
Je kleiner die Schildkröte, desto eher heizt sie sich auf, bzw. desto schwerer ist es die Körpertemperatur nach unten zu regulieren.

Welche Erkenntnisse ergeben sich daraus für die artgerechte Haltung?

Die Studien zeigen mit welcher Effizienz die Tiere in der Lage sind die Wärmestrahlung der Sonne in ihrem Körper aufzunehmen und bis zu einem gewissen Grad zu speichern.

Da die Luft- und die Bodentemperatur nicht mit der Körpertemperatur korrelieren, zeigt das wie wichtig die Sonne oder ein Ersatz in Form einer Wärmelampe ist.

Man muss bedenken, dass die Sonne bei uns in Deutschland weniger intensiv ist als im Mittelmeerraum. Dennoch müssten die Schildkröten auch hierzulande bei praller Sonne in der Lage sein ihre Körpertemperatur spätestens ab 25 Grad im Schatten auf ihre bevorzugten 30° zu bringen. Im Sommer mit Sicherheit auch schon 1 oder 2 Grad eher. Die Wärmelampe kann dann getrost ausbleiben. Sie muss auch nicht gleich beim ersten verregneten Tag eingeschaltet werden.

Die viel zitierten 40°, die es unter einer Wärmelampe haben sollte, sind Quatsch! Da die maximalen Temperaturen der Schildkröten bei 34 Grad lagen, muss (und sollte) die Lampe auch nicht in der Lage sein ein Objekt stärker aufzuheizen. Zudem liegen die 40° auch schon im kritischen Bereich, auch wenn die Schildkröte dies eigentlich merken und den Bereich unter der Lampe rechtzeitig verlassen sollte.

Heizungen oder Heizmatten für den Boden sind hingegen kein geeignetes Mittel, um die Körpertemperatur in den gewünschten Bereich zu bringen. Deren Einsatz kann aber Sinn machen, den Boden im Winter frostfrei zu halten.

Schattenplätze sind in den heißen Sommermonaten extrem wichtig für die Thermoregulierung. Zu jedem Zeitpunkt sollte eine adulte Schildkröte den nächstmöglichen Schattenplatz innerhalb von 2-3 Metern erreichen können. Einzelne Schattenplätze sollten also nicht weiter als 5-6 Meter voneinander entfernt sein. Für juvenile Schildkröten sind 2-3 Meter jedoch eine enorme Strecke. Die Schattendichte sollte für sie etwas enger sein.

Frühbeete und Gewächshäuser verkürzen die Zeit, die eine Schildkröte benötigt um auf Temperatur zu kommen, da sie etwas wärmer sind als die Außentemperatur und der Wind die Wärme nicht sofort wegtragen kann (Konvektion). Das kann bei uns insbesondere im Frühjahr und im Herbst wichtig sein.

Auch Frühbeete und Gewächshäuser brauchen Schatten. Da das bei Frühbeeten gerade sehr schwierig ist und die Körpertemperatur ab einem gewissen Grad auch durch Schatten nicht weiter runter gekühlt werden kann, sollten die Dächer bzw. Fenster spätestens ab den für Schildkröten kritischen 39° (gemeint ist jetzt Lufttemperatur im Frühbeet/Gewächshaus) geöffnet werden. Ich empfehle jedoch schon deutlich früher auf zu machen.

Quellen
[1] M.A. Cherchi – Termoregalazione in Testudo hermanni GMELIN
[2] Roger Meek – Thermoregulatory behaviour in a population of Hermann’s tortoise (Testudo hermanni) in southern Yugoslavia
[3] Pulford et al. – Thermal relations of Testudo hermanni robertmertensi WERMUTH in S. France.
[4] Filippi et al. – Population and Thermal Ecology of Testudo hermanni hermanni in the Tolfa Mountains of Central Italy
[5] Daubremont et al. – Temperature regulation in the tortoise Testudo hermanni, studied with indwelling probes
[6] Ortega et al. – Notes on the thermal ecology of Testudo hermanni hermanni in Menorca (Balearic Islands, Spain)

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