Kuschlig warm durchs Jahr oder wie man seine Schildkröte zu tode heizt

Da ich immer wieder auf Facebook und in einigen Foren lesen muss, wie einige ihre Tiere in „Backöfen“ großziehen, muss ich jetzt mal ein paar Worte zu diesem Thema loswerden. Ja, Schildkröten sind als wechselwarme Tiere auf Wärmezufuhr von außen angewiesen, aber einige übertreiben es aus meiner Sicht leider komplett.

Vorweg möchte ich nochmal sagen, dass Schildkröten zwar wärmeliebende Tiere sind, aber wenn es zu heiß wird, dann müssen sie vor der Sonne flüchten. Andernfalls trocknen sie aus und sterben im schlimmsten Fall. Bei Temperaturen von über 35° im Schatten halten sich unsere Schildkröten überwiegend im Schatten auf oder graben sich sogar ein und meiden die pralle Sonne weitestgehend.

Das ganze Jahr über Sommer für Schildkröten

Hin und wieder lese ich auf Webseiten und auch in Forendiskussionen, dass unmittelbar nach der Winterstarre die Wärmelampe schon auf 35°-40° Celsius angeschaltet werden sollte. Dies ist für Anfang Frühling jedoch deutlich zu heiß und entspricht nicht dem natürlichen Jahreszyklus. Zudem sind die Temperaturschwankungen, wenn die Schildkröte von der Wärmelampe wieder weggeht und das Freigehege erkundet, viel zu extrem, wenn es draußen nur seine 15° hat. Behaltet die Temperaturen in den natürlichen Vorkommensgebieten im Auge und orientiert euch lieber daran. 25° sind für März/April für Testudo hermanni boettgeri völlig ausreichend. Zudem muss die Wärmelampe auch nicht jeden Tag eingeschaltet sein. Auch in Griechenland gibt es schlechtes Wetter, Regen und kalte Tage.

Die Wärmelampe darf schon mal auf 40° heizen

Liest man auch sehr häufig, ist im Prinzip auch nicht völlig falsch. Die Betonung sollte allerdings auf dem Wort MAL liegen. Im Sommer darf es MAL so heiß unter der Wärmelampe werden. Für ein paar Stunden. Davor und danach, sollte es wieder einige Grad kühler werden. Im Sommer braucht eine Wärmelampe im Freigehege auch nur zum Einsatz kommen, wenn das Wetter längere Zeit schlecht ist und sich die Sonne nur wenig blicken lässt oder man in einer Region lebt, wo es auch im Sommer nicht richtig heiß wird. Sind es bei uns nur 30° im Schatten, heißt das noch nicht, dass es einer griechischen Landschildkröte zu kalt ist. Es gibt ja noch die pralle Sonne in der sie sich dann weiter aufwärmen können.

Ist es unter der Wärmelampe dauerhaft zu heiß, kann der Panzer Verbrennungen erleiden.

Nachts ein kuschlig warmes  Bett

Zugegeben: In kalten Regionen und um den Sommer künstlich an den aus den Habitaten anzupassen, kann es sinnvoll sein im Schlafhaus etwas zuzuheizen. Dennoch lese ich teilweise was von 15°-18°, die es Nachts mindestens haben muss. Die 18° mögen vielleicht für den Sommer sinnvoll sein ansonsten könnt ihr euch die Stromkosten sparen. So warm braucht es eine griechische Landschildkröte Nachts nicht zwingend, vorallem Boettgeries sind da härter im nehmen. 7°-10° reichen da auch aus, davon fangen unsere Schildkröten nicht sofort mit der Winterstarre an. Gerade für die Vorbereitung auf die Winterstarre sind solch hohe Temperaturen auch hinderlich. Heizen ist dann sinnvoll, wenn es schon Anfang/Mitte September Nachts auf unter 10 Grad abkühlt oder gar auf unter 0 oder es im Frühjahr Nachts noch zu solchen Temperaturabstürzen mit Frost kommt. Wichtig für die Winterstarre: Die Mindesttemperatur rechtzeitig Stück für Stück senken. Ende Oktober braucht es Nachts definitiv keine 18° mehr. Da kann man seine Schildkröten auch gleich in der Wohnung halten.

Backofen Frühbeet und Gewächshaus.

Frühbeet und Gewächshaus sind eine prima Sache. Durch das Glasdach erwärmen sie sich schneller und höher als das restliche Gehege und erreichen so schon ohne Wärmelampe oder Heizkabel eine Verlängerung des Sommers und bessere Anpassung an die Temperaturen aus Griechenland, Italien, Kroatien und Co. Gerade (aber nicht unbedingt nur) in kälteren Gebieten sehr zu empfehlen. Außerdem bieten sie für Nachzuchten einen simplen Schutz.

Aber bitte bitte sorgt verdammt noch mal für eine gute Durchlüftung an den heißen Tagen. Gegebenenfalls haltet eure Schildkröten an extremen Tagen aus den Dingern fern, wenn das Öffnen des Daches keine ausreichende Abkühlung verschafft. Das ist wie Hunde im Auto in der prallen Sonne zu lassen. Wenn ich lesen muss, dass eine Schildkröte gestorben ist, weil sie im Hochsommer bei schönsten Temperaturen im Gewächshaus ne halbe Stunde auf dem Rücken gelegen hat (am besten noch unter einer Wärmelampe -.-), dann könnte ich ausrasten. Die ist nicht gestorben weil sie auf dem Rücken lag (das können die bei angenehmen Temperaturen deutlich länger), sondern weil sie  bei fast 50° einen Hitzschlag erlitten hat. Da wären die Schildkröten sogar in einem Terrarium besser aufgehoben.

Dampfaufzucht im Terrarium

Und somit wären wir beim letzten Thema angekommen. Leider kommt es vor, dass Schildkröten in viel zu aufgeheizten Terrarien gehalten werden. Die Haltung im Freien ist einer Terrarienhaltung gewiss vorzuziehen, doch wenn jemand seine Schildkröte in einem Terrarium hält (aus welchen Gründen auch immer), dann soll es wenigstens richtig gemacht werden. Das bedeutet: Temperatur durch die Wärmelampe den Jahreszeiten entsprechend anpassen. Das Terrarium nicht mit Wärmelampen zupflastern, zudem muss es groß sein und zumindest teilweise oben offen, damit die Lampen nicht das komplette Terrarium aufheizen. Eine kühlere Zone und Verstecke sind von Nöten. In den Übergangszeiten sollte es auch an einem kühleren Ort, wie dem Keller stehen, damit die Temperaturen nachts auch tief genug fallen. Ebenfalls wichtig ist es die Wärmelampe zwischendurch auch mal ausgeschaltet zu lassen oder den ein oder anderen Tag mal eine kühlere Lampe einzudrehen, denn in der Natur sind auch nicht alle Tage gleich warm. Es ist extrem wichtig, aber auch schwierig und aufwändig, das Wetter draußen so gut wie irgendwie möglich zu simulieren.

Schlusswort

Ich spreche hier natürlich hauptsächlich über griechische Landschildkröten, insbesondere über die Unterart Testudo hermanni boettgeri. Andere Schildkröten haben natürlich auch andere Anforderungen. Für die meisten europäischen Landschildkröten, dürfte obiges aber auch zutreffen.

Schildkröten dürfen natürlich auch nicht zu kühl gehalten werden. Als Wechselwarme Tiere sind sie auf externe Wärmezufuhr angewiesen und können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln, so wie wir Menschen. Doch wechselwarm (kaltblütig) zu sein bedeutet nicht hilflos zu sein und direkt zu sterben, wenn das Wetter mal suboptimal ist. Wechselwarm zu sein ist ein Trick der Natur kältere Perioden energieeffizient zu überleben. Solche Perioden gehören zum natürlichen Jahresverlauf dazu. Sicherlich sind die Durchschnittstemperaturen in den Habitaten höher als in Deutschland, dennoch fängt der Frühling auch dort nicht direkt mit 35° an.

Sorgt für Durchlüftung im Frühbeet, haltet Schattenplätze und Versteckmöglichkeiten bereit, variiert, der Jahreszeit entsprechend, mit den Temperaturen der Wärmelampe und lasst diese auch mal ausgeschaltet. Mit diesem Appell richte ich mich nicht nur an Terrarienhalter, sondern auch an alle anderen.

4 Gedanken zu „Kuschlig warm durchs Jahr oder wie man seine Schildkröte zu tode heizt“

  1. Naja der Tod hätte auch schon Tags eintreten können aber im Häuschen in der Erde glaube ich niemals an dauerhaft 40 Grad. Unser schildi War ja auch recht groß(790gramm)da dürfte doch auch eine kurze Überschreitung nicht fatal sein. zumal das nur in der prallen Sonne passieren hätte können und der konnte er ja entgehen… wir vermuten eher dass er durch lange nicht optimale Ernährung vielleicht schwache Organe hatte.

  2. Hallo.
    leider ist unsere gr. Landschildkròte diese Woche gestorben (alter von Tierärztin auf ca 30 Jahre geschätzt). Jetzt sind wir ratlos. Sie War am tag noch putzmunter und hat sich mit viel Freude „duschen „lassen und hatte auch noch Guten Appetit. Abends War sie dann im Unterschlupf. Nachdem sie am nächsten morgen immer noch genau so drin saß wie am abend habe ich leider gesehen dass sie gestorben war.
    wir haben sie letztes Jahr übernommen (sie ist mir als Kind zugelaufen War 22 Jahre bei meinen Eltern und jetzt bei uns)wir haben uns große Mühe gegeben alles richtig zu machen (nachdem meine Eltern gerade bei Ernährung und Auslauf einige Fehler gemacht hatten)sie War immer putzmunter und aktiv.
    Jetzt zur eigentlichen frage. Gehalten haben wir sie auf unsere Dachterrasse viel Auslauf gründach mit futterpflanzen und Unterschlupf. Am Todestag waren es maximal 30 Grad Celsius. Auf dem Dach sicher mehr aber sie hatte Unterschlupf mit dach (kleine HolzHütte in der sie sich selbst eine Höhle gegraben hat)muss ich mir Vorwürfe machen dass dies doch zu einem Hitzeschlag geführt hat?

    1. Hallo Schildi,

      Zunächst einmal mein herzliches Beileid zum Tod der Schildkröte.
      Für einen Hitzschlag müsste geklärt werden, wie warm es in dem Häusschen war, in dem sie Nachts Unterschlupf gesucht hat. Ich denke aber nicht, dass ein Hitzschlag in diesem Fall die Todesursache war. 30 Grad sind völlig unbedenklich und in der Nacht wird es ja sicherlich etwas abgekühlt haben.
      Wenn ein Tod so plötzlich eintritt, könnte es sich eventuell um eine Vergiftung handeln.
      Vielleicht stimmte aber auch etwas an den Haltungsbedingungen (oder denen der Vorbesitzer) nicht.
      Das sind alles nur Vermutungen. Klarheit verschafft da nur eine Sezierung durch einen Arzt.
      Einen Hitzschlag würde ich nach deinen Schilderungen aber ausschließen.

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