Alle Beiträge von Villa Amanda

Villa Amandas Schildkröte des Jahres 2020 – Carolina-Dosenschildkröte

Die Carolina-Dosenschildkröte (Terrapene carolina) ist eine Art der Gattung Dosenschildkröte. Innerhalb der Unterordnung der Halsberger-Schildkröten (Cryptodira) gehört sie zur Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae). Obwohl sie gemeinhin auch als Gewöhnliche Dosenschildkröte bezeichnet wird, ist sie alles andere als bloß eine gewöhnliche Schildkröte, denn sie hat so einige, teils eklige, Tricks auf Lager. In mancher Hinsicht ähnelt sie sogar unseren geliebten Griechischen Landschildkröten.

Aussehen

Mit gerade einmal 10-20 cm Panzerlänge, ist die Carolina-Dosenschildkröte eine sehr kleine Art. Der Rückenpanzer ist stark gewölbt und lässt sie wie eine kleine Dose aussehen. Zusätzlich haben alle Dosenschildkröten Scharniere am Bauchpanzer, welche hochgeklappt werden können, sodass der Panzer rundherum verschlossen ist. Während der Bauchpanzer mehr oder minder einfarbig braun bzw. dunkel ist, weisen der Rückenpanzer, Kopf und Beine, je nach Unterart, eine leuchtende Farbgebung mit teils fleckigen oder streifigen Mustern auf. Männchen und Weibchen lassen sich auf Grund der Augen voneinander unterscheiden. Männchen haben in der Regel nämlich eine rote Iris.

Carolina-Dosenschildkröte (Terrapene carolina carolina) Matt Reinbold https://www.flickr.com/photos/furryscalyman/ / CC BY-SA
Golfküsten-Dosenschildkröte (Terrapene carolina major)
Dreizehen-Dosenschildkröte (Terrapene carolina triunguis) Carnopod / Public domain
Yucatan-Dosenschildkröte (Terrapene carolina yucatana) Maximilian Paradiz / CC BY
Mexikanische Dosenschildkröte (Terrapene carolina mexicana) Jopparn / CC BY-SA

Verbreitung

Die Carolina-Dosenschildkröte kommt fast in der gesamten Osthälfte der USA vor. Vom Süden Floridas bis hoch zum südlichen Teil von Maine und in Michigan bis über die Grenze Kanadas. Das wirkt zwar auf den ersten Blick sehr nördlich, liegt aber in etwa auf gleicher Linie mit der nördlichsten Ausbreitung der Griechischen Landschildkröte in Kroatien. In Texas, Oklahoma und Kansas erreicht sie ihre westlichste Ausbreitung. Damit kommt sie wie die Griechische Landschildkröte hauptsächlich in Subtropischen Gebieten vor, mit einigen Ausläufern in kühlgemäßigten Gebieten.

Ihr Lebensraum sind überwiegend feuchtere Gebiete wie feuchte Wiesen oder Schwemmland. Sie kommen aber auch in Wäldern und Buschwerk vor .

Verhalten

Obwohl die Dosenschildkröte zu den Sumpfschildkröten zählt, führt sie hauptsächlich ein terrestrisches Leben und ist nicht gerade als guter Schwimmer bekannt. Als Allesfresser frisst sie sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung. Diese besteht aus Würmern, Schnecken, Pilzen, Wildbeeren und manchmal sogar Aas.

Die aktivste Zeit ist in den Morgenstunden oder nach einem Regen. Das ist auch die Zeit in der sie vornehmlich auf Futtersuche geht. In den heißen Sommermonaten zieht sie sich in feuchtere Gebiete zurück, um sich abzukühlen. Wenn die Körpertemperatur über 32° Celsius erreicht, speichelt sie Kopf und Vorderbeine ein, um sich durch die Verdunstung abzukühlen. Um den gleichen Kühlungseffekt für die Hinterbeine zu erreichen, pinkelt sich die Dosenschildkröte ein.

Paarung findet hauptsächlich im Frühjahr statt, zieht sich aber bis in den Herbst hinein. Das Ritual ist ähnlich zu dem der Griechischen Landschildkröte. Das Männchen umkreist das Weibchen in einer ersten Phase und beißt es, bis es stehen bleibt. In der zweiten Phase steigt das Männchen auf und beginnt mit dem eigentlichen Paarungsakt. Die Eiablage findet zwischen Mai und Juni statt. Ein Weibchen legt dabei 1-11 Eier, die nach 70-80 Tagen ausgebrütet sind. Ebenfalls wie die Griechische Landschildkröte, können die Weibchen nach einer erfolgreichen Paarung viele Jahre lang befruchtete Eier legen, ohne sich erneut paaren zu müssen.

In den nördlichen Habitaten machen die Tiere in den kalten Monaten zwischen Oktober/November und Februar/März eine Winterstarre. Dazu graben sie sich in lockere Erde oder Schlamm, nutzen hin und wieder aber auch Bauten von Säugetieren, um darin zu überwintern.

Haltung

Dosenschildkröten werden in den USA schon seit über 100 Jahren als Haustiere gehalten. Hierzulande können sie mit der entsprechenden Technik auch gehalten werden. Sie brauchen auf jeden Fall aber ein größeres, seichtes Wasserbecken zum abkühlen und idealerweise eine hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 60%. Letzteres gilt zumindest für die Zeit außerhalb des Sommers. Ein Frühbeet oder Gewächshaus mit der entsprechenden Technik ist dann unumgänglich. Außerhalb des Sommers müssen Dosenschildkröten, je nach Unterart, gegebenenfalls in einem Großraumterrarium oder einem gut beheizten Gewächshaus unter gebracht werden.

Gefährdungsstatus

Natürliche Feinde der Dosenschildkröte sind Raubtiere wie Füchse oder Waschbären, die die Nester rauben oder die Schlüpflinge fressen. Eine adulte Dosenschildkröte hat kaum Feinde. Dadurch, dass sie den Panzer komplett einklappen können, sind sie gut geschützt und nur schwer zu knacken, wie das Beispiel eines Waschbären zeigt, der großes Interesse an der Schildkröte zeigt.

Die größte Gefahr stellt der Mensch dar. Nicht nur durch die Wegnahme von Lebensräumen, sondern zum großen Teil auch durch den Straßenverkehr. Dosenschildkröten halten sich gerne in der Umgebung von Highways auf und nicht selten werden die Tiere sogar absichtlich überfahren.

Trotz des großen Verbreitungsgebietes wird die Gewöhnliche Dosenschildkröte von der IUCN als gefährdert eingestuft.

Trivia

Die Nominatform der Carolina -Dosenschildkröte Terrapene carolina carolina, in den USA als eastern box turtle bekannt, ist das Staatsreptil der US-Bundesstaaten North Carolina und Tennessee. In Pennsylvania und Virginia gab es ebenfalls Anträge dafür, die jedoch abgelehnt wurden. Darüber hinaus ist die Dreizehen-Dosenschildkröte Terrapene carolina triunguis, das Staatsreptil von Missouri.

Dosenschildkröten sind dafür bekannt, dass sie sehr alt werden können. Je nach Quelle erreichen sie in freier Wildbahn ein Alter zwischen 40 und 50 Jahren. In Gefangenschaft können sie jedoch über 100 Jahre alt werden. Doch auch in freier Wildbahn wurden schon Tiere entdeckt, die 130 Jahre oder gar noch mehr auf dem Buckel hatten.

Quellen:
Davidson Lands Conservancy – Eastern Box Turtle
UNCW Island Ecology 2011 – Eastern Box Turtle
Lori Erb – Eastern Box Turtle Conservation Plan for Massachusetts
Wikipedia – Carolina-Dosenschildkröte
Wikipedia – Common box turtle
Penn Live Patriot News – Another really old turtle found in Pennsylvania
IUCN Redlist – Terrapene carolina
Titelbild: Doug Letterman / CC BY

Ungewöhnlich viel Sonne zum Saisonstart

Der Frühling ist längst da und die Schildkröten schon eine ganze Weile aus der Winterstarre zurück. Trotz eines extrem milden Winters, der mit 5,9 Grad stolze 3 Grad über dem langjährigen Mittel von 1981-2010 lag, kamen diese etwas später an die Oberfläche als letztes Jahr. Dort erwartete sie vor allem eins: Sonne, Sonne und noch mehr Sonne.

Während der März mit fast 2/3 mehr Sonnenstunden aufwartete, legte der April nochmal eine Schippe drauf und trumphte mit fast 3/4 mehr Sonnenstunden im Vergleich zum langjährigen Mittel auf. 290 Sonnenstunden gab es bei uns im Rheinland im April. War der März noch etwas feuchter als normal, war der April leider extrem trocken. Gerade einmal 36% der üblichen Regenmenge kamen herunter (Das meiste davon erst in den letzten 3 Tagen), sodass der sprichwörtlich wechselhafte April dieses Jahr sehr konstant war. Für unsere Böden ist es schlecht, die Schildkröten fanden es schön und zeigten sich sehr aktiv. Dabei sind natürlich sehr viele schöne Fotos entstanden.

Leider kann ich erstmal keine aktuellen Bilder unserer adulten Schildkröten zeigen. Wegen der Einschränkungen durch die „Corona“-Pandemie, kann ich dort derzeit nicht vorbei schauen. Ich kann aber berichten, dass die großen Schildkröten nicht weniger aktiv sind als die Kleinen. Sie fressen viel und das Männchen ist schon ordentlich hinter den Weibchen her. Es gab schon einige Paarungen und in den nächsten Tagen oder Wochen, je nachdem wie sich das Wetter jetzt ändert, dürfte es auch die ersten Gelege geben. Gebrütet wird dieses Jahr aber voraussichtlich nicht, da ich noch eine Hand voll Nachzuchten habe. Stattdessen werde ich mir wieder die Frage stellen, ob ich die Eier mal probieren soll, oder ob ich sie wieder einfach entsorge. Wer schonmal welche gegessen hat, kann mir ja gerne berichten. Bisher habe ich mir sagen lassen, dass sie nicht so gut schmecken sollen.

Ich hoffe euch und euren Schildkröten geht es so gut wie uns. Lasst euch durch die aktuellen Beschränkungen nicht irre machen und bleibt gesund.

Neue Unterart der Fransenschildkröte entdeckt

Die Fransenschildkröte, auch als Mata-Mata bekannt, mag vielleicht nicht jeder kennen, wegen ihres skurrilen Aussehens zählt sie jedoch zu den bekannteren Schildkröten Arten. Bisher wurde lediglich eine einzige Art beschrieben, doch große optische Unterschiede zwischen einzelnen Populationen veranlassten Wissenschaftler dazu genauer hin zu sehen.

Neue Unterart der Fransenschildkröte entdeckt weiterlesen

Schildkröten Fakt zum Wochenende #15

Nach langer Zeit kommt hier mal wieder ein kleiner Fakt zum Wochenende. Dieses Mal geht es um eine einzigartige Eigenschaft von Schildkröten. Schildkröten sind nämlich die einzigen Reptilien, die einen anapsiden Schädel haben. Das bedeutet, dass sie keine Schädelfenster besitzen.

Anapsider Schädel
Synapsider Schädel
Diapsider Schädel

In der Vergangenheit gab es durchaus weitere Reptilien mit anapsiden Schädeln, die alle ausgestorben sind, und wahrscheinlich war dies der ursprüngliche Schädeltyp. Schildkröten machten jedoch wahrscheinlich die umgekehrte Entwicklung. Vollständig geklärt ist das meines Wissens aber noch nicht. Je nach untersuchten Fossilien, gibt es da gegensätzliche Hinweise.

Und mit diesem neu erworbenem Wissen wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

Quellen:
Wikipedia – Schädeltypen der Amnioten
Chiari et al. – Phylogenomic analyses support the position of turtles as the sister group of birds and crocodiles (Archosauria)

Wahl der Schildkröte des Jahres

In genau einem Monat ist wieder Welt-Schildkrötentag. Seit einigen Jahren schon präsentiere ich euch an diesem Tag die eigens gewählte Schildkröte des Jahres. Mit der Aktion möchte ich die Aufmerksamkeit auf Arten richten, die besondere Fähigkeiten haben oder besonderen Schutz benötigen und schreibe über das Jahr verteilt immer wieder einen Beitrag über die Art. Natürlich wird es auch in diesem Jahr wieder eine Schildkröte des Jahres geben.

Dieses Jahr habt ihr jedoch die Möglichkeit eine Art vorzuschlagen, welche eurer Meinung nach den Titel Schildkröte des Jahres verdient hat. Nennt mir die Art mit einer kurzen Begründung, wieso gerade ihr diese Ehre gebührt. Es sollte sich dabei um eine Art handeln die entweder ein besonderes Merkmal besitzt oder sehr akut vom Aussterben bedroht ist. Ihr könnt euch gerne von den bisherigen Schildkröten des Jahres inspirieren lassen. Hinterlasst dafür einfach einen Kommentar unter dem Beitrag. Im Laufe des Tages wird auch eine entsprechende Umfrage in meiner Insta-Story gepostet, wo ihr alternativ eure Vorschläge hinschicken könnt. Ich freue mich auf eure Vorschläge :)

Entwicklung von Schildkrötenhals und -schädel wohl eng verknüpft

Schildkröten sind schon wahrlich außergewöhnliche Tiere. Sie sind die einzigen Wirbeltiere, deren Schulter- und Beckengürtel innerhalb des Brustkorbs liegen. Außerdem haben sie als einzige Reptilien einen anapsiden Schädel. Das bedeutet, dass der Schädel mit Ausnahme der Augen- und Nasenhöhlen, keinerlei Schädelfenster besitzt. Sämtliche andere Reptilien mit anapsiden Schädeln sind ausgestorben. Dabei geht man aber davon aus, dass der Schädel der Urschildkröte durchaus Schädelfenster hatte, die sich im Laufe der Evolution geschlossen haben. Die Evolution der Schildkröte gibt den Forschern immer noch viele Rätsel auf. Immerhin konnten in den letzten Jahren einige Fragen um die Entwicklung des Panzers geklärt werden.


Lies auch folgende Beiträge:
Wie sich der Schildkröten Panzer entwickelte
Warum Schildkröten einen Panzer haben
Ringmuskel zum atmen machte Panzer erst möglich


Wie genau sich der Schädel jedoch entwickelte, weiß man noch nicht. Nicht nur die Form an sich ist einzigartig, auch die Flaschenzug ähnliche Muskulatur des Kiefers. Bisher ging man davon aus, dass sich diese im Zuge eines geänderten Fressverhaltens entwickelt hat und der Schildkröte zu mehr Beißkraft verhalf. Ferraira et al. veröffentlichten jetzt jedoch einen Artikel, bei dem sie die Beißkraft untersuchten. Dazu analysierten sie die Schädel mehrerer Schildkröten verschiedener Zeitalter, die unterschiedliche Anordnungen der Kiefermuskulatur hatten. Das Ergebnis: Die Neuanordnung der Muskulatur im Kiefer, führte nicht zu einer höheren Beißkraft. Es deutet viel mehr darauf hin, dass die Veränderung der Muskulatur dazu führte, dass der Kopf sich versteifen konnte. Dieser wurde im Laufe der Evolution immer belastbarer.

Damit ein solch steifer Kopf bei einem so starren Körper möglich ist, braucht es einen flexiblen Hals, den Schildkröten in der Tat haben. Der Hals ermöglicht es der Schildkröte, trotz Panzer, sehr mobil zu bleiben und Beute zu machen. Die Forscher folgern daher, dass die Entwicklung von Hals und Schädel eng miteinander verbunden sein muss.

Myuchelys novaeguineae

Quellen: Ferreira, G.S., Lautenschlager, S., Evers, S.W. et al. Feeding biomechanics suggests progressive correlation of skull architecture and neck evolution in turtles. Sci Rep 10, 5505 (2020).
https://doi.org/10.1038/s41598-020-62179-5  

Uni Tübingen – Panzerpuzzle: Weiteres Teil der Schildkrötenevolution hinzugefügt