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Europäische Sumpfschildkröten in freier Wildbahn geschlüpft

Wie Swissinfo berichtet wurden im schweizer Kanton Genf erstmals Jungtiere einer wieder angesiedelten Population von Europäischen Sumpfschildkröten Emys orbicularis gefunden. Drei Stück hat man gezählt. Dies ist ein erster Erfolg des Wiederansiedlungsprojekts, bei dem 2010,2011,2013 und 2015 Europäische Sumpfschildkröten ausgewildert wurden. Langfristiges Ziel ist es eine stabile Population, der auch bei uns in Deutschland heimischen Art, zu erreichen, sodass diese sich selbst erhalten kann.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis

Quelle: Swissinfo.ch – Drei Europäische Sumpfschildkröten in freier Wildbahn geschlüpft

Villa Amandas Schildkröte des Jahres 2015: Europäische Sumpfschildkröte

Wie in jedem Jahr, möchte ich heute den Weltschildkröten Tag dafür nutzen, meine ganz eigene Schildkröte des Jahres vorzustellen und euch ein paar Infos über diese zu liefern. In diesem Jahr ist es die europäische Sumpfschildkröte, die auch von der DGHT in diesem Jahr zum Reptil des Jahres gewählt worden ist.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularisDie europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis ist die einzige in Deutschland beheimatete Schildkröte. Wie der Name es schon vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um eine Land-, sondern um eine Wasserschildkröte. Der Name orbicularis bedeutet „mit kleinen Kreisen“ und bezieht sich auf die gelben Kreise an den Wangen und auf dem Panzer. Mit ihren 13 bis 20cm Panzerlänge zählt sie zu den kleinen bis mittelgroßen Schildkröten.

Erst seit jüngster Zeit wird die Europäische Sumpfschildkröte in mehrere Unterarten unterteilt. Durch genetische Untersuchungen wechselt die Anzahl der Unterarten immer wieder mal. In Deutschland heimisch ist die Pontische Sumpfschildkröte Emy orbicularis orbicularis.

Überwiegend karnivor ernährt sich die Europäische Sumpfschildkröte hauptsächlich von Wasserschnecken und -insekten, Muscheln, kleinen Fischen, aber auch verschiedene Wasserpflanzen stehen auf dem Speiseplan. Sie frisst ausschließlich im Wasser, da sie nur unter Wasser schlucken kann. Lebensraum sind überwiegend flache, stehende Gewässer, die sich leicht von der Sonne erwärmen lassen.

Melbweiher Bonn
Der Melbweiher in Bonn, hier leben auch Europäische Sumpfschildkröten

Große Schildkröten haben kaum Fressfeinde, Jungtiere und Gelege sind aber zahlreichen Feinden ausgesetzt. So fallen beispielsweise Wildschweine, Füchse und Dachse über die Gelege her, Raben Krähen und andere größere Vögel über die Jungtiere. Auch im Wasser sind sie nicht sicher, wo Welse und Hechte auf sie lauern.

Paarungszeit beginnt im Frühjahr. Das Männchen treibt das Weibchen dafür ins Wasser und umklammert es anschließend. Daraufhin bringt das Männchen das Weibchen durch schnappen dazu ihren Kopf einzuziehen, damit sich die Kloake raus streckt, wodurch das Männchen besser eindringen kann. Die Eier werden an sandigen, sonnigen Plätzen abgelegt und brauchen dann ca. 80-120 Tage, bis die Jungtiere schlüpfen.

Die Art ist sehr stark vom aussterben bedroht. Grund dafür ist einmal mehr der Mensch, der durch Flussbegradigungen und Austrocknung von Gewässern den Schildkröten ihren Lebensraum entzieht. In Deutschland gibt es nur sehr wenige natürliche Vorkommen in Brandenburg. Die übrigen Populationen sind auf (kontrollierte) Auswilderung zurückzuführen. Es gibt einige Artenschutzprojekte, die versuchen die Schildkröte wieder anzusiedeln. In Hessen konnten bereits erste Erfolge erzielt werden. So fand man 2013 ein Jungtier nahe der Nidda und 2014 einen Schlüpfling im Reinheimer Teich.

Auch hier in Bonn gibt es ein kleineres Projekt. Der Botanische Garten Bonn hat im frisch sarnierten Melbweiher Europäische Sumpfschildkröten ausgesetzt, in der Hoffnung das diese sich dort eines Tages vermehren. Bei der Aussetzung war ich damals live vor Ort. Die Schildkröten haben die ersten Winter gut überstanden, für Nachwuchs sind sie allerdings noch zu jung.

Europäische Sumpfschildkröten

Quellen:
[1] EmysHome: Wissenswertes rund um die Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis (Linnaeus, 1758)
[2] Artenschutzprojekt Sumpfschildkröte
[3] DGHT: Reptil des Jahres 2015: Die Europäische Sumpfschildkröte
[4] Wikipedia: Europäische Sumpfschildkröte

Europäische Sumpfschildkröte vom DGHT zum Reptil des Jahres 2015 ernannt

Die einzige in Deutschlands freier Wildbahn beheimatete Schildkröte, die europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis hat es geschafft und wurde dieser Tage von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum Reptil des Jahres 2015 ernannt.

Seit dem ich letztes Jahr bei der Ansiedlung der europäischen Sumpfschildkröte im Bonner Melbweiher dabei gewesen bin, habe ich mich richtig in die sehr stark vom Aussterben bedrohten Tiere verliebt und freue mich über deren Ernennung.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis

Folgend ein Auszug aus der Pressemitteilung des DGHT

Heute ist die Europäische Sumpfschildkröte in Deutschland extrem selten und hochgradig vom Aussterben bedroht. Sie ist streng geschützt und gilt in fast allen deutschen Bundesländern als ausgestorben, die letzten ursprünglichen Vorkommen finden sich nur noch in Brandenburg. Nachweise dieser Art in allen anderen deutschen Bundesländern gehen mit größter Sicherheit auf Aussetzungen zurück.

Die Europäische Sumpfschildkröte ist eine tagaktive, eierlegende Wasserschildkröte, die in der Natur sehr scheu ist. Sie wird maximal 23 cm lang und besiedelt Europa in mehreren Unterarten. Ihr bevorzugter Lebensraum in Mitteleuropa sind stehende, sonnige Gewässer mit flachen, reich bewachsenen Uferzonen.

Neben exzessivem Fang und Handel trugen die zunehmende Industrialisierung und Erschließung der letzten natürlichen Lebensräume zum raschen Niedergang der Art bei uns bei. Naturinteressierten die Europäische Sumpfschildkröte näher zu bringen und mit dieser Flaggschiffart auch den allgemeinen Respekt vor der einheimischen Natur zu vergrößern, sind wichtige Ziele der Kampagne zum Reptil des Jahres 2015.

Jede Beeinträchtigung und Störung der Europäischen Sumpfschildkröte oder ihrer Lebensräume in der Natur sind streng verboten, ebenso wie illegale Aussetzungen von Tieren dieser oder ähnlicher Arten. Wissenschaftlich begleitete Schutz-, Nachzucht- und Ansiedlungsprojekte hingegen, wie in Brandenburg oder im Rahmen des deutsch-französischen Interreg-Projekts „Sumpfschildkröte ohne Grenzen“, können helfen, das Interesse in der Bevölkerung zu wecken und die bei uns einst häufige Art in nach strengen Kriterien ausgewählten Lebensräumen vielleicht wieder heimisch zu machen.

Weiterführende Information über die europäische Sumpfschildkröte beim DGHT

Quelle: Pressemitteilung des DGHT

Europäische Sumpfschildkröten im Bonner Melbweiher – Ein Jahr danach

Vor einem Jahr war ich live vor Ort, als ein paar dutzend kleine europäische Sumpfschildkröten in den Melbweiher im botanischen Garten in Bonn entlassen wurden. Ich berichtete.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis
Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis

Jetzt ein Jahr später interessierte mich, wie es den bedrohten Sumpfschildkröten wohl ergangen ist und machte mich vor einigen Wochen, an einem spätsommerlichen Tag, auf den Weg in besagten botanischen Garten, um nach den Tieren zu sehen.

In und um den riesigen Weiher herum ließ sich leider keine der Schildkröten blicken. Dafür aber jede Menge Frösche. In einem der Gewächshäuser wurde ich dann schließlich doch fündig. Zuerst entdeckte ich eine unter Wasser und wenig später ging sogar eine Schildkröte an Land.

Florida HöckerschildkröteMich verwunderte es, dass die Schildkröten in einem Gewächshaus waren und nicht im Freigehege. Ich bin zwar kein Experte und habe bislang nur wenige Europäische Sumpfschildkröten gesehen, aber die in dem Gewächshaus, sahen für mich auch irgendwie komisch aus. Da ich dieser Frage auf den Grund gehen und auch genauer wissen wollte, wie es den europäischen Sumpfschildkröten in ihrem ersten Jahr ergangen ist, schrieb ich eine Mail an den botanischen Garten und erhielt folgende Antwort.

„die Schildkröten haben den ersten Winter gut überstanden. In den ersten Wochen kam es allerdings zu einigen Verlusten, da Krähen einige der noch sehr kleinen Schildkröten getötet haben. Wir haben ca. vier verstümmelte tote Jungtiere gefunden, vielleicht waren es einige mehr.
Wir haben den Sonnenplatz dann mit einem Netz verhangen, sodass die Krähen dort nicht mehr hin konnten und haben keine Toten mehr gefunden.
Paarungen haben wir keine beobachtet, aber die Tiere sind dazu m.E. auch noch zu jung.“

Bei den Schildkröten im Gewächshaus handelt es sich um Florida Höckerschildkröten, diese sind das ganze Jahr über in dem Gewächshaus, da es hier zu kalt für sie ist.

Florida Höckerschildkröte

Für mich eine sehr erfreuliche Nachricht, dass es nur wenige Verluste gab und der Großteil den Winter überstanden hat. Scheinbar sind die Bedingungen im Melbweiher sehr gut für europäische Sumpfschildkröten.

Sollte es in der Zukunft zu Paarungen kommen und eventuell sogar zur erfolgreichen Bebrütung, dann wäre dies ein wichtiger Schritt für die Rettung der stark vom aussterben bedrohten Schildkröten. Soweit ich weiß, gibt es nur sehr wenige wildlebende Populationen in Deutschland, die aber künstlich vermehrt werden. In Österreich hingegen gibt es noch eine Population, die sich selbst reguliert. Es gibt aber mehrere Wiederansiedlungsprojekte.

Verbreitungsgebiet der europäischen Sumpfschildkröte

Die „AG Feldherpetologie und Artenschutz“ des DGHT hat einige interessante Verbreitungskarten einheimischer Reptilien und Amphibien hochgeladen.

Darunter auch eine Verbreitungskarte der europäischen Sumpfschildkröte Emys orbicularis.

Verbreitungsgebiet europäische Sumpfschildkröte
Quelle: AG Feldherpetologie und Artenschutz – DGHT

Bewegte Bilder der Sumpfschildkröten im Melbweiher von uni-bonn.TV

Gestern berichtete ich vom Einzug der Europäischen Sumpfschildkröten in den Bonner Melbweiher.

Leute aus der Region konnten gestern einen Beitrag darüber in der WDR Lokalzeit sehen. Die Uni Bonn hat jetzt auch ein Video dazu auf Youtube ins Netz gestellt, das ich euch nicht vorenthalten möchte.