Schildkröte des Jahres 2021 – Santa-Cruz-Riesenschildkröte

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Ihr habt vorgeschlagen und gewählt. Die Schildkröte des Jahres 2021 ist die Santa-Cruz-Riesenschildkröte Chelonoidis nigra porteri. Sie gehört zum Artkomplex der Galapagos-Riesenschildkröten und zählt somit zu den größten Landschildkröten der Erde. Eigentlich handelt es sich dabei um zwei Arten, wobei es sich eigentlich um eine ganz große Art handelt. Klingt verwirrend? Ist genetisch gesehen aber ziemlich interessant.

Aussehen

Die Art hat einen extrem kuppelförmigen, runden Panzer, der farblich einen hohen Schwarzanteil aufweist. An den rändern kann er glatt sein, es gibt aber auch Exemplare bei denen der Panzer vorne leicht gezackt ist. Anders als bei den Griechischen Landschildkröten, erreichen bei den Santa-Cruz-Riesenschildkröten die Männchen eine größere Panzerlänge als die Weibchen. Sie kann bei Männchen bis zu 115cm betragen, während Weibchen „nur“ auf 96,5cm Panzerlänge kommen. Ansonsten sehen sie eigentlich aus wie man sich eine typische Schildkröte vorstellt, nur eben in XXL.

Quelle: putneymark, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons

Verbreitung

Die Riesenschildkröte kommt in zwei Gebieten ausschließlich auf der Insel Santa-Cruz vor und besiedelt dort sowohl Wälder als auch Felder. Dies tut sie hauptsächlich in höheren Lagen. Eine größere westliche Population ist hauptsächlich in der Region La Reserva in einem ca. 254m² großem Gebiet zu finden. Wer sich die Tiere einmal anschauen will tut dies am besten im Reserva El Chato, Rancho El Manzanillo, oder Rancho Primicias.

Bildquelle: Poulakakis et al. [2]

Eine zweite Population von ca. 250 Tieren ist im Cerro Fatal beheimatet, welche ein wenig außergewöhnlich ist. Optisch unterscheidet sie sich nämlich geringfügig, aber offensichtlich von der anderen Population. 2015 brachte eine DNA-Analyse von Poulakakis et al. ans Tageslicht, dass diese Population genetisch viel mehr Ähnlichkeit zu Schildkröten anderer Inseln aufweist. Sie gehört zu einer Klade mit den Schildkröten der Inseln, San Cristóbal, Española und Pinta. Nachdem sie offiziell als eigene Unterart anerkannt wurde, taufte man diese östliche Population auf den Namen Chelonoidis nigra donfaustoi.

Wer meinen Blog allerdings regelmäßig verfolgt, der wird vielleicht im Hinterkopf haben, dass noch neuere DNA-Analysen den Verdacht nahe legen, dass es eigentlich überhaupt gar keine Unterarten der Galapagos Riesenschildkröte gibt, sondern alle eine große Art bilden, die lediglich eine optisch große Variation aufweisen.

Verhalten

Aktiv ist die Santa-Cruz-Riesenschildkröte das ganze Jahr über zwischen 8 Uhr und 17:30 Uhr. Dabei bewegt sie sich relativ wenig und legt pro Tag im Durchschnitt gerade einmal zwischen 21 und 730 Metern zurück. Der Großteil wandert dabei innerhalb eines Jahres zwischen Küste und Bergen hin und her, je nachdem wo es gerade das bessere Futterangebot gibt. Etwa ein Fünftel hat aber keine festen Routen und bewegt sich frei durchs ganze Areal. Wenn es heiß ist kühlt sich die Art gerne in Gewässern ab. Dabei kann es vorkommen, dass sie schon mal volle zwei Tage baden, um ihre Körpertemperatur zu regulieren.

Paarungszeit findet hauptsächlich zwischen Februar und März statt. Im Mai herum wandern die Weibchen in tiefergelegene Regionen, um dort ihre Eier zu legen. Pro Nest werden im Schnitt zwischen 7 und 21 Eiern gelegt. Vor der Eiablage kommt es bei den Weibchen zu kleineren Kämpfen, was man sonst eigentlich nur von Männchen her kennt. Diese Kämpfe, bei denen es vermutlich um die Lage der Nistplätze geht, verlaufen aber ziemlich friedlich. Die Schildkröten recken ihren Kopf nach oben und fauchen sich an. In der Regel gewinnt, wer den Hals höher hinaus strecken kann. Nach 110-250 Tagen schlüpfen die Jungtiere und zerstreuen sich innerhalb der ersten beiden Lebensjahre in alle Richtungen.

Als Vegetarier ernährt sich die Santa-Cruz-Riesenschildkröte hauptsächlich von Kakteen, Gräsern und Blättern, aber auch Beeren und Obst stehen hin und wieder auf der Speisekarte.

Gefährdungsstatus

Obwohl die Santa-Cruz-Riesenschildkröte recht zahlreich erscheint, gilt sie laut IUCN als critically endangered, also als stark vom Aussterben bedroht. Das ist darin begründet, dass der Bestand während der letzten 180 Jahre stark zurück gegangen ist. Man schätzt, dass die Zahl der Tiere vor der Ankunft des Menschen auf der Insel bei ca. 35.000 Individuen gelegen hat. Heute sind es gerade einmal noch 3.400 Individuen. Gründe für den starken Rückgang sind die Jagd auf die Tiere, die früher auf Schiffen als lebende Fleischreserve gehalten wurden, sowie die Einfuhr fremder Arten, die entweder den Lebensraum der Schildkröten zerstören oder sich von deren Eiern ernähren. Insbesondere Wildschweine stellen eine große Gefahr für die Art dar.

Aufgrund von Schutzmaßnahmen steigt die Zahl der Santa-Cruz-Riesenschildkröten wieder. Dies gelingt unter anderem auch dadurch, dass eingeschleppte Tiere dem Lebensraum wieder entnommen werden. Darunter zählen z.B. Wildschweine, Esel und Ziegen. Darüber hinaus sind Farmer dazu angehalten erhöhten Stacheldrahtzaun, anstelle von geschlossenen Zäunen zu verwenden. So können sich die Tiere frei durch die Landschaft bewegen und finden weniger Barrieren vor.

Fun Facts

  • Der Name für die Galapagos Inseln leitet sich aus dem Wort „galápago“ ab, welches „Schildkröte“ heißt. Galapagos-Riesenschildkröte heißt also streng genommen Schildkröten-Riesenschildkröte.
  • Galapagos-Riesenschildkröten bilden kein eigenständiges Taxon. Sie bilden stattdessen mit einigen auf dem südamerikanischem Festland lebenden Arten, wie z.B. der auch bei uns in Deutschland gehaltenen Köhlerschildkröte Chelonoidis carbonarius, die Gattung chelonoidis.
  • Der Name porteri geht auf Captain David Porter von der US Navy zurück, welcher während einer Seereise 1813 wichtige Beobachtungen zu den Tieren machte.
  • Der Name donfaustoi geht auf den Parkranger Fausto „Don Fausto“ Llerena Sánchez zurück, welcher 43 Jahre seines Lebens der Rettung der Riesenschildkröten widmete.

Quellen

  1. Arteaga, Alejandro. „Santa Cruz Giant-Tortoise.“
  2. Poulakakis, Nikos, et al. „Description of a new Galápagos giant tortoise species (Chelonoidis; Testudines: Testudinidae) from Cerro Fatal on Santa Cruz island.“ PLoS One 10.10 (2015): e0138779.
  3. Wikipedia – Chelonoidis donfaustoi: https://en.wikipedia.org/wiki/Chelonoidis_donfaustoi
  4. Wikipedia – Galápagos tortoise: https://en.wikipedia.org/wiki/Gal%C3%A1pagos_tortoise
  5. IUCN Red List of Threatened Species: https://www.iucnredlist.org/
  6. Titelbild: aposematic herpetologist from Ames, IA, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons

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