Villa Amandas Schildkröte des Jahres 2019 – Die Lederschildkröte

Anlässlich des Welt-Schildkröten-Tags präsentiere ich traditionell meine Schildkröte des Jahres. Dieses Jahr ist die Wahl auf die Lederschildkröte gefallen, die in mehrerlei Hinsicht eine besondere Schildkröte ist und so manchen Superlativ für sich beansprucht und das nicht nur unter den Schildkröten.

Lederschildkröte

Obwohl sie im Meer lebt gehört die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) nicht zur Familie der Meeresschildkröten (Cheloniidae), sondern ist die einzige Vertreterin der Familie der Lederschildkröten (Dermochelyidae). Allerdings wird im deutschen die Überfamilie beider Familien (Chelonioidea) auch Meeresschildkröten genannt, weswegen es nicht grundsätzlich falsch ist die Lederschildkröte als Meeresschildkröte zu bezeichnen.

Aussehen

Die Lederschildkröte ist die größte lebende Schildkröte und erreicht eine Panzerlänge von bis zu 2,5 Metern. Dabei kann sie ein Gewicht von über 700 Kilo erreichen. Das größte gefundene Exemplar maß 2,56m und wog 916 Kilo. Das ist eine beachtliche Größe, sie liegt damit jedoch noch um einiges hinter der größten Schildkröte zurück, die jemals auf der Erde gelebt hat. Der wissenschaftliche Name Dermochelys coriacea leitet sich aus den beiden Griechischen Wörtern derma (Haut) und chelys (Schildkröte), sowie dem lateinischen Wort coriaceus (aus Leder) ab und spielt auf die lederartige Haut an, die die lose zusammenhängenden Knochenplatten des Panzers überzieht. Auf Rücken und Bauch hat sie 7 bzw. 5 Knochenkiele, die sich von vorne nach hinten erstrecken. Lederschildkröten sind gräulich-schwarz gefärbt und weisen weißlich-rosafarbene Flecken auf. Auf der Stirn haben sie einen Fleck anhand dessen sich jedes Individuum identifizieren lässt. Wissenschaftler rätseln noch über den Zweck des Flecks auf der Stirn. Vermutungen gehen dahin, dass sich unter dem Fleck eine Art Sinnesorgan befindet, dass der Schildkröte zur Orientierung dient. Sozusagen also ein drittes Auge. Das Maul hat scharfe Hornschneiden und die Speiseröhre ist mit gruselig anmutenden Stacheln verkleidet, die als Widerhaken für ihre bevorzugte Nahrung, den Quallen, dienen.

Lebensraum

Lederschildkröten leben hauptsächlich in tropischen und subtropischen Hochseegewässern im Indischen Ozean, Pazifik und Atlantik. Hin und wieder begeben sie sich aber auch in die gemäßigten Zonen. Dies ist ihnen möglich, da sie die Fähigkeit haben ihre Körpertemperatur 18 Grad über der Wassertemperatur zu halten. So kommt es, dass man sie auch vereinzelt in der Nordsee auffindet. Sichtungen gab es zum Beispiel schon vor der Niederländischen und der Schottischen Küste und es wurden auch schon Kadaver in Dänemark angespült. Damit hat die Lederschildkröte von allen Reptilien das größte Verbreitungsgebiet. Auf nachfolgender Karte ist es blau eingezeichnet. Rote Punkte stehen für große Nistplätze und gelbe Punkte für bekannte kleinere Nistplätze.

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Von Pïnpin – Eigenes Werk mittels: Inscape, CC BY-SA 3.0, Link

Verhalten der Lederschildkröte

Über das Verhalten ist bislang noch nicht sehr viel bekannt. Insbesondere das Verhalten der Jungtiere ist noch nahezu unerforscht. Paarungen finden unter Wasser statt. Die Weibchen kommen zur Eiablage an die Strände, an denen sie selbst zur Welt gekommen sind. Das ist die einzige Zeit an denen sich Lederschildkröten überhaupt an Land aufhalten. GPS Auswertungen zeigen, dass sich die Tiere sehr weit von ihren Nistplätzen entfernen. Teilweise wandern sie innerhalb eines Jahres gut 10.000 km und mehr. Dabei kann sie auch sehr tief tauchen. Messungen zeigten, dass die Tiere bis 1200 Meter tief tauchen können. Dabei sind Tauchgänge unter 400-600 Metern aber eher die Ausnahme. Die tiefen Tauchgänge sind möglich, da sich die Lederschildkröte auf die Sauerstoffreserven in ihrem Körper berufen kann, nachdem die Lunge kollabiert ist.

Hauptnahrung der Lederschildkröte sind Quallen, die sich fast ausschließlich von ihnen ernährt. 10 bis 100 Kilo Quallen frisst sie täglich. Damit tragen sie einen wesentlichen Beitrag zur Regulierung der Quallenpopulationen bei. Sie ernährt sich aber durchaus auch von anderen Weichtieren wie z.B. Tintenfischen.

Bedrohungsstatus

Größte Gefahr für Lederschildkröten sind die Fischerei und die Vermüllung der Meere. Die Schildkröten verfangen sich in den Netzen und ertrinken oder fressen Plastiktüten, die sie fälschlicherweise für Quallen halten und ersticken oder erleiden schlimme Verstopfungen, an denen sie sterben. Andere Bedrohungen stellt zum einen der Mensch direkt dar, der die Tiere jagt, und zum anderen Wildtiere, die die Nester plündern. Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) stuft den Bedrohungsstatus der Lederschildkröte in iher roten Liste als vulnerable, also gefährdet ein. Nach Einschätzungen der IUCN wird der Bestand in der Zukunft leider weiter sinken. Gründe sind zum einen der Klimawandel und zum anderen die starke Umweltverschmutzung.

Rekorde

  • Größte lebende Schildkröte
  • Schwerste lebende Schildkröte
  • Schnellste lebende Schildkröte
  • Größte Vorderflossen, auch im Vergleich zur Körpergröße
  • Reptil mit der größten Ausbreitung

Die Lederschildkröte ist wahrlich außergewöhnlich. Doch nicht nur die vielen Superlative brachten ihr dieses Jahr den Titel als Schildkröte des Jahres ein, sondern auch die Tatsache, dass sie zu einem der Symboltiere im Kampf gegen Plastikmüll und die Verschmutzung der Ozeane geworden ist. Jahr für Jahr sterben unzählige der beeindruckenden Tiere qualvoll durch den Verzehr von Plastik. Je nach Region findet sich bei mehr als der Hälfte aller untersuchten Tiere Plastikmüll im Magen. Um die Art vor dem Aussterben zu retten müssen wir Menschen verhindern, dass so viel von dem Zeug in unsere Meere gelangt.