Schildkröten richtig ernähren: Kalzium und Phosphor

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Die richtige Ernährung ist ein wichtiges Schlüsselelement für ein gesundes und damit auch langes Leben für unsere Schildkröten. Kalzium und Phosphor spielen dabei eine wichtige Rolle und müssen im richtigen Verhältnis zueinander im Körper vorhanden sein. Eine viel zitierte Regel lautet, dass Futterpflanzen ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 2:1 aufweisen sollten. Stimmt diese Regel? Wofür werden Kalzium und Phosphor von Schildkröten benötigt? Und was ist mit Futterpflanzen, die nicht dieses Verhältnis aufweisen? Diese und andere Fragen möchte ich in diesem Beitrag klären.

Was sind Kalzium und Phosphor und wozu werden sie benötigt?

Kalzium und Phosphor sind zunächst einmal chemische Elemente, die in allen Wirbeltieren enthalten sind, aber auch in in Pflanzen. Sie werden über die Nahrung aufgenommen und ein Teil davon vom Körper aufgenommen (resorbiert).

Phosphor ist ein wichtiger Bestandteil in DNA und RNA und spielt somit eine entscheidende Rolle bei der Weitergabe von Erbinformationen.

Kalzium ist für die Funktion einer ganzen Reihe von Organen und Vorgängen im Körper wichtig. So ist Kalzium an der Blutgerinnung, der Erregung von Muskeln und Nerven, der Zellteilung, sowie der Aktivierung einiger Enzyme und Hormone beteiligt. Zum Beispiel sorgt erst das Einströmen von Kalzium-Ionen in die Muskulatur dafür, dass sich der Muskel überhaupt bewegt.

Kalzium und Phosphor bilden zusammen Hydroxylapatit genannte Calcium-Phosphat-Kristalle, welche in großen Mengen in den Knochen eingelagert sind und diesen ihre Stabilität verleihen. Für die Festigkeit von Knochen und Panzer sind Kalzium und Phosphor also extrem wichtig.

Wie müssen Kalzium und Phosphor dosiert werden?

Beim Menschen kommen beide Elemente in großen Mengen vor. Durchschnittlich hat ein Mensch ca. 1kg Calcium und 700g Phosphor in seinem Körper, wobei 99% des Kalziums und 600g Phosphor in den Knochen lagert. Eine genaue Angabe, wie viel mg Kalzium und Phosphor Griechische Landschildkröten benötigen, ist nicht ganz einfach zu treffen. 1997 haben Zentek und Dennert versucht optimale Kalzium und Phosphorwerte für Reptilien auf Grundlage bekannter Werte von Säugetieren zu bestimmen [1].

Allerdings funktioniert der Stoffwechsel von Reptilien und Säugetieren unterschiedlich. Während Schildkröten teils erhebliche Mengen Kalzium über ihren Urin ausscheiden (ihr kennt das als die weißen Krümelchen im Urin), scheiden Säugetiere nur wenig davon mit ihrem Urin aus. Im 4. Teil der Serie „Calciumernährung“ auf Testudowelt, eine umfangreiche und meines Erachtens nach gut recherchierte Beitragsreihe, wird auf das Verhältnis von Kalzium und Phosphor eingegangen. Dabei stützt man sich auf die Dissertation von Ilina Bühler [2]. Bei Testudowelt kommt man zu dem Schluss, dass der Kalziumanteil mindestens doppelt so hoch sein sollte wie der Anteil an Phosphor, da der Phosphor sonst mit dem Kalzium „konkurriert“.

2007 haben Liesegang et al. Studien zu Vorkommen und Verdaulichkeit (also die Fähigkeit die Elemente im Körper aufzunehmen) der beiden Elemente bei Schildkröten der Gattung Testudo und der Art Testudo hermanni im speziellen gemacht [3,4]. Dabei stellten sie zum einen fest, dass Männchen mit 3,69:1 ein deutlich höheres Kalzium zu Phosphor Verhältnis aufweisen als Weibchen mit 2,77:1. Das Weibchen weniger Kalzium im Körper haben liegt vermutlich daran, dass sie das Kalzium für die Eierproduktion benötigen und daher aus ihrem Körper wieder auslagern. Zum anderen nimmt die Verdaulichkeit von Kalzium mit steigendem Verhältnis zu. So lag sie bei einem Verhältnis von 3:1 bei 57% und bei einem Verhältnis von 6:1 bei 79%. Auf die Verdaulichkeit von Phosphor hatten die unterschiedlichen Verhältnisse keinen signifikanten Einfluss.

Die gemessenen Werte sprechen eigentlich für ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis, welches höher als 2:1 sein sollte. Eher sogar schon in Richtung 3:1. Allerdings wird bei steigendem Verhältnis zugunsten von Kalzium, auch mehr Kalzium im Körper eingelagert und weniger ausgeschieden. Das heißt aber noch nicht, dass mehr Kalzium besser ist. Die Autoren weisen darauf hin, dass es weiterer Forschung bedarf und dass auch nicht zu viel Kalzium verfüttert werden darf. Sie sind etwas zurückhaltender und empfehlen ein Kalzium-Phosphor Verhältnis von mindestes 1:1.

Was passiert bei einer falschen Dosierung?

Bei einer falschen Dosierung, z.B. bei zu hohem Phosphoranteil oder Kalziummangel im Blut, wird Kalzium nicht richtig „verarbeitet“ oder aus den Knochen wieder ausgelagert. Dadurch verlieren die Knochen an Stabilität. Im schlimmsten Fall funktionieren Blutgerinnung und die Aufrechterhaltung von Zellmembranen nicht mehr richtig. Knochen und Panzer werden weich, im Extremfall fast wie Gummi, und die Schildkröte stirbt auf lange Sicht.

Bei einer zu hohen Dosis muss das Kalzium ja irgendwo hin bzw. vom Körper verarbeitet werden. Es besteht der Verdacht, dass zu viel Kalzium zur Höckerbildung beitragen kann [5]. Die Ausscheidung des überflüssigen Kalziums findet bei Schildkröten über die Nieren statt, was zu Nieren- und Blasensteinen führen kann.

Worauf muss ich als Halter achten?

In erster Linie muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Schildkröten genügend Kalzium zu sich nehmen, aber auch nicht zu viel. Einzelne Pflanzen auf Grund eines vermeidlich schlechten Verhältnisses von Kalzium zu Phosphor auszuschließen, halte ich aber für eine dumme Idee. Ich sage ja immer: DIE ideale Futterpflanze gibt es nicht. Von daher muss abwechslungsreich gefüttert werden. Denn auch wenn eine Pflanze vielleicht wenig Kalzium hat, so hat sie vielleicht andere wichtige Spurenelemente, die die Schildkröte durchaus benötigt. Letztendlich muss das Verhältnis der einzelnen Nährstoffe im Gesamtpaket stimmen.

Stattdessen sollte zusätzliches Kalzium angeboten werden, um einem Mangel vorzubeugen. Dafür empfehle ich Sepiaschalen, die von allen Schildkröten gut angenommen werden. Einfach ins Gehege legen und die Schildkröten bedienen sich von alleine und zwar genau dann, wenn sie es möchten. Alternativ kann auch auf gemahlene Eierschalen oder Kalziumpulver zurückgegriffen werden. Damit habe ich allerdings noch keine Erfahrungen gemacht. Zu diesem Thema kann ich aber die oben erwähnte Beitragsreihe empfehlen.

Das wichtige dabei: Das Kalzium niemals über das Futter streuen und die Schildkröten somit zu einer Aufnahme zwingen. Denn sonst kann es zu einer Überdosierung kommen.

Quellen
[1] Zentek, J.; Dennert, C., 1997: Fütterung von Reptilien: Praxis und Probleme. Tierärztliche Praxis 25, 684–688
[2] Ilina Bühler: Schilddrüsenparameter bei häufig in der tierärztlichen Praxis vorgestellten Landschildkrötenspezies
[3] Liesegang et al.: Calcium and phosphorus values and their derivatives in captive tortoises (Testudo species)
[4] Liesegang et al.: Influence of different dietary calcium levels on the digestibility of Ca, Mg and P in Hermann’s tortoises (Testudo hermanni)
[5] Frye, F.L., 1991: Reptile care – an Atlas of diseases and treatments, Vol. 1., Neptunre City, NJ, T.F.H. Publications, USA.