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Schildkröten im Terrarium halten

Ein Terrarium sollte niemals die erste Wahl sein, wenn es um die Haltung griechischer Landschildkröten geht. Es ist zwar möglich sie in einem entsprechend großen und ausgestattetem Terrarium zu halten, doch sind die Bedingungen im Freiland nicht nur einfach besser, es ist auch mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden ordentliche Bedingungen in einem Terrarium zu schaffen.
Ideale Bedingungen finden Schildkröten nur im Freiland.

Übergangsweise kann die Bereithaltung eines Terrariums für kranke Tiere oder bei langanhaltend deutlich zu schlechtem Wetter sinnvoll sein.

Größe des Schildkröten Terrariums

Das Terrarium muss selbstverständlich groß genug sein, dass es den Platzbedarf der Schildkröte ausreichend deckt. Am besten baut man es direkt so groß wie möglich und verzichtet auf ein „Kleines für den Anfang“, da Schildkröten recht schnell wachsen.

Wer seine Schildkröten züchten möchte, sollte von einer Terrarienhaltung absehen. Eine reine Terrarienhaltung ist nicht dazu geeignet um Schildkröten zu züchten!

Glasterrarium oder Holzterrarium?

Ob das Terrarium aus Glas oder Holz besteht ist ganz euch und eurem Geldbeutel oder Sinn für Ästhetik überlassen. Ich selbst habe eines aus Holz. Angeblich sind Holzterrarien besser, da die Schildkröten nicht so oft gegen die Wand laufen, wie bei einem Glasterrarium. Das kann ich persönlich nicht bestätigen. Egal ob Glas, Holz oder draußen im Freigehege: Schildkröten wollen immer weg.

Wichtig für die bessere Regulierung des Klimas ist, dass das Terrarium zumindest Teilweise oben offen ist. Dann kann sich das Terrarium für die Nacht besser abkühlen.

Terrarium griechische Landschildkröte
Die kühle Zone im Hintergrund hat keinen Deckel. Die rechte Lampe ist eine UV-Lampe, die linke eine Tageslichtlampe, die für Helligkeit, aber nicht für Wärme sorgen. Rinde und Konifere trennen warme und kühle Zone voneinander

Ausstattung des Terrariums

Bei der Ausstattung und Einrichtung des Terrariums muss es natürlich in erster Linie um das Wohlergehen der Schildkröte gehen und erst danach kommt die Optik. Die Bedürfnisse nach Licht und Wärme müssen erfüllt werden, aber vor allem muss es auch Rückzugsmöglichkeiten für das Tier geben. Es sollte der Schildkröte möglich sein sich so zu verstecken, dass man sie nicht immer sofort findet.

Die richtigen Leuchtmittel

Da bei einer Terrarienhaltung das Sonnenlicht fehlt, sind die richtigen Leuchtmittel das wichtigste mit dem das Terrarium ausgestattet sein muss. Hierbei kann leider sehr viel falsch gemacht werden.

Schildkröten brauchen sehr viel Licht und auch Wärme. Viel zu oft werden Schildkröten zu dunkel und/oder zu kühl gehalten. Da sich Schildkröten in der Natur nach der Sonne richten, ist es wichtig, dass die Wärme von einer Lichtquelle ausgestrahlt wird und nicht von einer Heizmatte oder -Stein kommt. Die Wohlfühltemperatur griechischer Landschildkröten liegt bei ca. 35°C. Bei dieser Temperatur arbeiten die Organe am besten und die Schildkröte ist sehr agil.

Das allerwichtigste sind zum einen die benötigten UV-A und UV-B Strahlen, die normalerweise von der Sonne kommen und zum anderen, dass das Klima der natürlichen Lebensräume bestmöglich simuliert wird. Das bedeutet, dass Jahreszeiten, Tagesverläufe und Schlechtwetterperioden sowohl von der Temperatur als auch von der Lichtintensität her künstlich nachempfunden werden müssen. Folglich, darf es nicht jeden Tag 35°C heiß im Terrarium sein, Nachts muss es deutlich kühler und vor allem auch Dunkler sein als am Tag und auch im Frühjahr und im Herbst müssen die Tagestemperaturen geringer sein als im Sommer. Ganz so, wie in der Natur eben auch. Dazu sind viele unterschiedliche Lampen notwendig.

Um das Klima möglichst gut simulieren zu können habe ich eine Tageslichtlampe für die Lichtintensität (Gibt keine Wärme ab), einen 35w Spotlight UV-Strahler (erreicht 25°-28°) für Frühling, Herbst und kühlere Tage, eine Bright Sun UV Jungle 50 Watt von Lucky Reptile (Erreicht 33°-38°) für die heißen Sommermonate und eine zusätzliche UV-Lampe (gibt keine Wärme ab) im Einsatz. Diese Lampen brennen dann je nach simulierter Jahreszeit unterschiedlich lang und oft. Die Hitze darf nur punktuell unter der Wärmelampe entstehen. Das Terrarium muss auch über kühlere Zonen verfügen.

Bodengrund des Terrariums

Für den Untergrund verwende ich größtenteils Torf, aber auch jegliche andere ungedüngte! Erde kann verwendet werden. Diese ruhig 10-15cm hoch auffüllen, damit sich die Tiere bei Bedarf vergraben können. Die Erde muss gelegentlich nachgefeuchtet werden. Sie darf zwar durchaus trocken sein, aber so lässt sich die Luftfeuchtigkeit effektiver regulieren. Diese muss nämlich relativ hoch sein, um der Höckerbildung vorzubeugen. Einen Teil des Terrariums habe ich mit Hobby Terrano Red Bark ausgestattet. Dies besteht aus Douglasienrinde. Viele Halter lehnen Rinde zwar grundsätzlich ab, weil Schildkröten in der Natur nicht ausschließlich auf Rinde laufen, aber meine Vergraben sich Nachts gerne drinnen und schaden tut die Rinde auch nicht.

Terrarium griechische Landschildkröte

Wovon ich ganz klar abrate ist Sand als Untergrund. Dieser kann zu leicht zusammen mit dem Futter aufgenommen werden und zu tödlich endenden Verstopfungen führen. Bei meinen ersten Nachzuchten hat mir ein „Fachmann“ aus der Zoohandlung leider zu Sand geraten, was sehr traurig geendet hat.

Bepflanzung des Terrariums

Griechische Landschildkröte klettertEin Terrarium muss natürlich auch bepflanzt werden. Das soll natürlich nicht nur der Optik dienen, sondern in 1. Linie der Schildkröte. Deswegen sind Futterpflanzen, wie Aloe, Stiefmütterchen, Oregano… und Sträucher zum drin verstecken ein absolutes Muss. Für letzteres haben sich Koniferen als sehr gut geeignet herausgestellt.

Bevor man eine Pflanze aus dem Gartencenter ins Terrarium setzt sollte man diese jedoch erst gründlich abduschen und die gedüngte Erde entfernen. Manche Halter empfehlen die Pflanze einige Wochen „auslüften“ zu lassen. Ich schätze damit ist einfach gemeint etwas zu warten, damit sich nicht mehr so viel Düngemittel in der Pflanze befinden.

Sonstiges was ins Terrarium muss

Für die Wasserversorgung braucht es eine flache, standfeste Trinkschale, die groß genug sein sollte, dass sich die Schildkröte darin ein wenig baden kann. Für das Futter habe ich eine größere Steinplatte. Die hält die Erde etwas fern und sorgt so dafür, dass die Schildkröten mit der Nahrung nicht so viel Erde aufnehmen.

Terrarium griechische Landschildkröte
Eine Korkrinde mit Busch davor, ergeben eine schützende Schlafhöhle

Neben Pflanzen, empfehle ich Steine und Korkrinden im Terrarium die die Tiere gerne zum Klettern oder als Höhlen benutzen. Eine Korkrinde habe ich direkt unter der Wärmelampe platziert und wird gerne für ein ausgiebiges „Sonnenbad“ erklommen.

Dekoriert werden kann das Terrarium natürlich auch, aber am besten sollte die Deko der Schildkröte auch immer irgendwie nützlich sein in dem sie sich beispielsweise darin verstecken kann. Mit Rückzugsmöglichkeiten sollte nicht gespart werden. Wenn man seine Schildkröteg nicht immer sofort finden kann, ist das eben so.

Haltung einer Schildkröte im Terrarium

  • Täglich frisches Wasser bereit stellen.
  • Beim Futter für viel Abwechslung sorgen.
  • Täglich den hinterlassenen Kot entfernen.
  • Tagsüber mit Wärmelampe, je nach Jahreszeit unterschiedlich lang, leuchten und heizen.
  • Nachts die Temperatur deutlich absenken und für Dunkelheit sorgen.
  • Die oberste Schicht der Erde regelmäßig abtragen und durch neue Erde ersetzen (gilt ebenfalls für die Rinde oder andere Substrate).
  • Mindestens 1 mal im Jahr den gesamten Untergrund austauschen.
  • Das Substrat gelegentlich anfeuchten.

Probleme bei Terrarienhaltung

  • Sonnenlicht kann nur Simuliert und nicht 100% ersetzt werden. Fehlendes Sonnenlicht kann daher zu Erkrankungen führen.
  • Terrarien sind recht anfällig für Schimmel, da die Luftfeuchtigkeit relativ hoch gehalten werden muss und sie müssen regelmäßig gründlich gereinigt werden.
  • Es gestaltet sich als sehr schwierig, verschiedene klimatische Bedingungen darzustellen. Ein Terrarium muss extrem groß sein um gleichzeitig Heiße und kühle Zonen gestalten zu können.
  • Auf Grund der Tatsache, dass ein Terrarium in der Regel in der Wohnung steht kann die Nachtabsenkung der Temperaturen in den kühleren Monaten nicht hinreichend simuliert werden, was die Einwinterung der Schildkröten erschwert.

 Häufige Fehler bei Terrarienhaltung griechischer Landschildkröten

Zu dunkle Haltung: Schildkröten brauchen viel Licht. Mit einer einzelnen Lampe im Terrarium ist es nicht getan. Dennoch muss das Terrarium so strukturiert werden, dass es dunkle Rückzugsmöglichkeiten gibt.

Zu wenig UV-Strahlung: In der Folge erweichen Panzer und Knochen. UV-Lampen regelmäßig durch neue ersetzen, da die Intensität mit der Zeit nachlässt.

Zu kühle Haltung: Schildkröten können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln und sind daher auf Wärme von außen angewiesen, damit alle Organe einwandfrei funktionieren.

Zu heiße Haltung: Viele begehen leider den Fehler zwischen den Winterstarren durchgehend Temperaturen von über 30° Celsius zu erzeugen. Es ist enorm wichtig Jahreszeiten aufwendig zu simulieren

Zu trockene Haltung: Führt zur Höckerbildung und schadet der Schildkröte auf Dauer. Substrat ab und an nachfeuchten und die Luftfeuchtigkeit bei min. 70% halten. Außerdem immer frisches Trinkwasser anbieten.

Anschaffungskosten Terrarium

Gegenstand Kosten
Terrarium 70-800€
Erde 20-30€
Wasserschale 5-10€
Lampen 100-300€
Begrünung 10-50€
sonstige Deko 10-100€

Nur für das Terrarium inklusive Einrichtung kann man also schonmal gute 250-300€ lassen und dann wäre es ein eher kleines Terrarium (welches nach kurzer Zeit durch ein größeres ersetzt werden müsste) mit unprofessioneller Beleuchtung. Für etwas halbwegs Ordentliches sollte man schon locker mit Ausgaben in Höhe von 250-300€ rechnen.
Die Schildkröte ist dabei auch noch nicht eingerechnet und schlägt mit ca. 80€ zu Buche.

Geschickte Bastler können natürlich ein bisschen sparen. Ein Holzterrarium mit Glasfront ist günstig und schnell selber gebastelt, allerdings sind Holzterrarien in der Anschaffung generell nicht sehr teuer. Ein Holzterrarium mit 0,75m²-1m² Grundfläche bekommt man schon für ca. 70-120€ Ähnlich große Terrarien aus Glas kosten schon locker mal 500-800€

Mein Terrarium hat in seiner vollen Ausstattung etwa 260€ gekostet. Es mißt 1,20m*0,6m*0,6m und fasst 85 Liter Erde. Das bedeutet, dass die Erde überall etwa 10-12cm hoch gefüllt ist.

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