Die Griechische Landschildkröte ist kein Weidegänger
In letzter Zeit scheint es irgendwie ein Trend geworden zu sein die Griechische Landschildkröte als Weidegänger zu bezeichnen. Durch ihr Verhalten, mal hier und mal dort ein wenig zu fressen, mag für den Laien dieser Eindruck entstehen. Nach der Definition des Weidegängers [2] sind Griechische Landschildkröten aber eher das Gegenteil. Ich erkläre mal wieso.
Die Griechische Landschildkröte gehört zu den Herbivoren, also den Pflanzenfressern. Innerhalb der Herbivoren gibt es verschiedene Unterkategorien. Eine Unterkategorie teilt die Tiere nach ihrer Futterstrategie ein. Darunter fallen auch die Weidegänger. Im Englischen werden sie als „grazer“ bezeichnet. Grazer ernähren sich per Definition von einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen). Das sind z. B. Gräser. Weidegänger werden daher auch Raufutter- oder Grasfresser genannt. Zu ihnen zählen zum Beispiel Rinder und Schafe.
Ein anderer Typ sind die Laub- und Kräuterfresser (oder auch Konzentratselektierer), im Englischen als „browser“ bezeichnet. Sie ernähren sich von zweikeimblättrigen Pflanzen (Dikotylen). Zu dieser Klasse zählen z. B. Löwenzahn, Brennnesseln und Malven. (ich denke, ihr wisst schon worauf es hinausläuft). Zu den Browsern zählen z. B. Rehe und Giraffen. Sie meiden Gräser und picken sich selektiv ihre bevorzugte Nahrung raus. Und damit sie nicht unerwähnt bleiben: Es gibt auch noch die Gemischtfresser, die sich von beiden Pflanzenarten ernähren. Dazu zählen etwa die Elefanten.
Der Definition nach hängt es nicht davon ab in welcher Choreographie das Futter gefressen wird, um zu den Grazern oder Browsern gezählt zu werden, sondern davon, welche Pflanzen sie fressen. Da Griechische Landschildkröten Gräser meiden [1] (mit Ausnahme von Mangelzeiten) und sich selektiv Dikotylen herauspicken, zählen sie zu den Browsern. Da Browser im klassischen Sinne eher höhergelegene Blätter fressen, werden Schildkröten in dem Fall auch als „low-level browser“ oder bodennahe Konzentratselektierer bezeichnet. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, können wir sie aufgrund dessen, dass sie bei Mangel auch Gräser fressen als „opportunistische Browser mit Tendenz zum Gemischtfresser in Mangelzeiten“ bezeichnen.
Und so folgt als Fazit: Die Griechische Landschildkröte ist kein Weidegänger.
Quellen
- [1] Editor, Herpetological Bulletin, and Roger Meek. NUTRITIONAL SELECTION IN HERMANN’S TORTOISE, TESTUDO HERMANNI, IN MONTENEGRO AND CROATIA.
- [2] Gordon, Iain & Prins, Herbert. (2019). Browsers and Grazers Drive the Dynamics of Ecosystems. 10.1007/978-3-030-25865-8_16.

