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Europäische Sumpfschildkröten im Bonner Melbweiher – Ein Jahr danach

Vor einem Jahr war ich live vor Ort, als ein paar dutzend kleine europäische Sumpfschildkröten in den Melbweiher im botanischen Garten in Bonn entlassen wurden. Ich berichtete.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis
Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis

Jetzt ein Jahr später interessierte mich, wie es den bedrohten Sumpfschildkröten wohl ergangen ist und machte mich vor einigen Wochen, an einem spätsommerlichen Tag, auf den Weg in besagten botanischen Garten, um nach den Tieren zu sehen.

In und um den riesigen Weiher herum ließ sich leider keine der Schildkröten blicken. Dafür aber jede Menge Frösche. In einem der Gewächshäuser wurde ich dann schließlich doch fündig. Zuerst entdeckte ich eine unter Wasser und wenig später ging sogar eine Schildkröte an Land.

Florida HöckerschildkröteMich verwunderte es, dass die Schildkröten in einem Gewächshaus waren und nicht im Freigehege. Ich bin zwar kein Experte und habe bislang nur wenige Europäische Sumpfschildkröten gesehen, aber die in dem Gewächshaus, sahen für mich auch irgendwie komisch aus. Da ich dieser Frage auf den Grund gehen und auch genauer wissen wollte, wie es den europäischen Sumpfschildkröten in ihrem ersten Jahr ergangen ist, schrieb ich eine Mail an den botanischen Garten und erhielt folgende Antwort.

„die Schildkröten haben den ersten Winter gut überstanden. In den ersten Wochen kam es allerdings zu einigen Verlusten, da Krähen einige der noch sehr kleinen Schildkröten getötet haben. Wir haben ca. vier verstümmelte tote Jungtiere gefunden, vielleicht waren es einige mehr.
Wir haben den Sonnenplatz dann mit einem Netz verhangen, sodass die Krähen dort nicht mehr hin konnten und haben keine Toten mehr gefunden.
Paarungen haben wir keine beobachtet, aber die Tiere sind dazu m.E. auch noch zu jung.“

Bei den Schildkröten im Gewächshaus handelt es sich um Florida Höckerschildkröten, diese sind das ganze Jahr über in dem Gewächshaus, da es hier zu kalt für sie ist.

Florida Höckerschildkröte

Für mich eine sehr erfreuliche Nachricht, dass es nur wenige Verluste gab und der Großteil den Winter überstanden hat. Scheinbar sind die Bedingungen im Melbweiher sehr gut für europäische Sumpfschildkröten.

Sollte es in der Zukunft zu Paarungen kommen und eventuell sogar zur erfolgreichen Bebrütung, dann wäre dies ein wichtiger Schritt für die Rettung der stark vom aussterben bedrohten Schildkröten. Soweit ich weiß, gibt es nur sehr wenige wildlebende Populationen in Deutschland, die aber künstlich vermehrt werden. In Österreich hingegen gibt es noch eine Population, die sich selbst reguliert. Es gibt aber mehrere Wiederansiedlungsprojekte.

Española Galapagos Riesenschildkröten Population stabil

Wie Galapagos Conservancy berichtet, ist auf der Insel Española ein wichtiges Artenschutzprojekt erfoglreich geglückt. Die Population der dort lebenden Riesenschildkröten Chelonoidis hoodensis wurde in den 60er Jahren auf 15 Individuen reduziert, konnte jetzt aber laut einer Studie von Gibbs et. al. stabilisiert werden.

Espanola Galapagos Riesenschildkröte Chelonoidis hoodensisÜber 2000 Schildkröten wurden nachgezüchtet und auf der Insel ausgesetzt. Viele überlebten und einige vermehren sich sogar auf natürliche Art und Weise, sodass sich die Populationsgröße nicht wieder so stark reduzieren dürfte.

Allerdings kann sie derzeit auch nicht weiter wachsen, denn das Ökosystem wurde in weiten Teilen durch eingeführte Ziegen so verändert, dass die Schildkröten dort derzeit keine guten Bedingungen vorfinden. An diesem Problem wird derzeit wohl auch gearbeitet, es benötigt aber noch viel Zeit.

Quelle: http://www.galapagos.org/newsroom/success-for-espanola-tortoises/

Update zur weltweit bedrohtesten Schildkröte

Jangtse-RiesenweichschildkröteDieses Jahr hat die Villa Amanda sie zur Schildkröte des Jahres gewählt. Die Jangtse-Riesenweichschildkröte Rafetus swinhoei. Vor zwei Tagen brachte die Turtle Survival Alliance ein kleines Update.

Da bisher alle Versuche das letzte Pärchen in Gefangenschaft zu vermehren scheiterten, beauftragte man eine Untersuchung der gelegten Eier. Diese weisten keinerlei Anzeichen von Spermien auf, was entweder auf eine Sterilität des Männchens oder Unfähigkeit der  Begattung zurück zu führen ist.

Als Konsequenz erlaubt man nun die Entnahme von Spermien an dem Männchen um die Eier künstlich zu befruchten. Bislang verweigerte man diese Methode, da das Risiko besteht, dass das Männchen dabei sterben könnte.

Inzwischen wird weiterhin fieberhaft nach weiteren wildlebenden Exemplaren der Jangtse-Riesenweichschildkröte gesucht. Es wurden mehrere Sichtungen im roten Fluss in der Yunnan Provinz berichtet. Bisher konnte das Tier oder die Tiere aber nicht gefangen werden.

Falls es weitere News zu Villa Amandas Schildkröte des Jahres gibt, so werde ich euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Quelle: http://www.turtlesurvival.org/blog/1-blog/297-an-update-on-the-worlds-most-endangered-turtle#.U-ySnGOMksR

Schildkrötenschmuggler muss zahlen

3600€ Strafe sind für den Schmuggel Griechischer Landschildkröten angefallen.
Das kuriose: Der Staatsanwalt geriet so in Rage, dass er den Täter als Arschloch beschimpfte.
4 Jahre dauerte es, bis es zu einer Verurteilung kam.
In der Augsburger Allgemeine könnt ihr alles Nachlesen.

Griechische Landschildkröte Testudo hermanni boettgeri

Lonesome George: Spezies doch nicht ausgestorben?

Zumindest sind die Gene noch nicht vollständig von der Bildschirmfläche verschwunden. Forscher der Universität Yale haben auf Isabella Island jetzt 17 hybride Schildkröten gefunden deren Vorfahren derselben Spezies wie Lonesome George angehören.
Was diesen Fund jetzt so besonders macht ist die Tatsache, dass 5 der Hybriden noch jugendliche sind.Dies erweckt die Hoffnung, dass deren Eltern reinrassige Pinta Riesenschildkröten sind und eventuell noch am Leben sind und versucht diese jetzt ausfindig zu machen.

Lonesome George Sollten die Eltern tatsächlich noch am Leben sein gibt es allerdings keine Garantie, dass sie wirklich noch reinrassig sind.

Großes Ziel wäre es Lonesome Georges Spezies wieder aufleben zu lassen und auf der Heimatinsel wieder anzusiedeln, wo sie ihrer wichtigen Rolle das dortige Ökosystem im Gleichgewicht zu halten nachkommen kann.