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Vorbereitung und Durchführung der Winterstarre

Inhaltsverzeichnis

Leider wird bei der Winterstarre immer noch einiges falsch gemacht. Das Problem ist, dass sich viele nicht trauen ihre Schildkröten in die Winterstarre zu schicken oder in dem falschen Glauben sind, dass Jungtiere nur eine verkürzte oder gar keine Starre halten müssen. Wenn man bedenkt, dass Schildkröten allen Alters die selben Bedingungen in der Natur vorfinden, macht dies natürlich keinen Sinn.

Winterschlaf oder Winterstarre?

Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass Schildkröten keinen Winterschlaf sondern eine Winterstarre halten. Der Unterschied zum Winterschlaf besteht darin, dass Tiere aus der Winterstarre durch äußere Reize wie Lärm oder Berührungen nicht aufgeweckt werden können. Nur durch steigende Temperaturen wacht die Schildkröte wieder auf. Wenn im folgenden mal der Begriff Winterschlaf benutzt wird, meine ich also eigentlich Winterstarre.

Warum halten einige Schildkröten eine Winterstarre?

Nicht alle Schildkröten halten eine Winterstarre. Griechische Landschildkröten, sowie alle anderen europäischen Landschildkröten aber schon. In der Natur finden sie in den kalten Monaten nicht mehr genug zu fressen. Zudem sind die Temperaturen zu kalt, als dass die Körperfunktionen noch einwandfrei laufen würden. Zur Erinnerung: Schildkröten sind wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur von der Umgebungstemperatur abhängt. Um die kalte Zeit zu überstehen, halten Schildkröten eine Winterstarre. Dies tun selbstverständlich auch die Allerkleinsten von ihrem ersten Lebensjahr an.

Was passiert während der Winterstarre?

Während der Winterstarre reduziert sich der Stoffwechsel durch die kalte Außen- und Körpertemperatur auf ein absolutes Minimum. Herz- und Atmungsfrequenz sinken sehr stark ab. Weder Verdauung noch Wachstum finden in dieser Zeit noch statt und die Schildkröte bewegt sich so gut wie gar nicht.

Welche Bedingungen gilt es zu beachten?

Die Griechische Landschildkröte Testudo hermanni boettgeri starrt etwa 4-5 Monate lang. Die Winterstarre sollte selbstverständlich in den kalten Monaten des Jahres an einem dunklen Ort gehalten werden. Als grobe Richtlinie: Von ende Oktober bis Mitte März. Die Temperatur sollte dabei zwischen 4° und 6° Celsius liegen.

Da die Winterstarre für kranke Tiere ein gewisses Risiko darstellt, solltet ihr bei kranken Tieren mit einem erfahrenen Tierarzt abklären, ob diese eine Starre halten sollten oder nicht. Bevor es endgültig in die Winterstarre geht, solltet ihr eure Schildkröte noch einmal durchchecken.

Seine Schildkröten auf die Winterstarre vorbereiten

Sinkende Temperaturen, schwächeres Licht, kürzere Tage und fehlende Nahrung läuten bei den Schildkröten die Winterstarre ein. Daher ist es wichtig diese Bedingungen zu erfüllen, denn sonst bleiben sie weiterhin wach. Schon zu Beginn des Herbstes sollten die Wärmelampen daher gegen kühlere getauscht werden un die Betriebsdauer Woche für Woche reduziert werden. Die Schildkröten sollten daraufhin von sich aus weniger aktiv sein und weniger fressen. Sollte es schon recht früh Frost geben, sollten die Schildkröten vor diesem geschützt werden, wenn sie sich noch nicht richtig verbuddelt haben. Um eine verfrühte Winterstarre zu vermeiden, muss eventuell in den letzten Wochen noch etwas zu geheizt werden. Besonders in den Bergregionen Deutschlands kann es schon mal einige Wochen vorher zu frostigen Temperaturen kommen. Bevor die Schildkröten endgültig in die Winterstarre gehen, solle auch noch ein kleiner Gesundheitscheck durchgeführt werden.Adulte Griechische Landschildkröte

Der richtige Überwinterungsort

So lange alle Bedingungen erfüllt sind, ist es ganz egal wo die Winterstarre durchgeführt wird. Die meiner Meinung nach am häufigsten verwendeten Orte sind das Freigehege, der Kühlschrank und der Keller.

Winterstarre im Freigehege

Dies ist der natürlichste Ort, macht aber auch den meisten Menschen Angst. In Regionen mit milden Wintern (selten kälter als -5° bis -10° Celsius), wie bei uns im Rheinland, ist dies die einfachste Methode. Unsere adulten Schildkröten buddeln sich irgendwann einfach ganz von alleine weg und das tief genug, um nicht zu erfieren. Ansonsten können die Tiere auch draußen in einer extra isolierten Grube oder einer gut isolierten Box auf dem Balkon ihre Starre abhalten. Wichtig ist, dass sie sich in Erde einbuddeln können, die ab und an nachgefeuchtet wird.

In besonders frostigen Gegenden, wie beispielsweise in den Alpen, wo die Temperatur längere Zeit deutlich unterhalb von -15° Celsius liegen, sollte man die Tiere besser nicht draußen überwintern.

Winterstarre im Kühlschrank

Oftmals wird man erstaunt angeschaut oder sogar belächelt, aber der Kühlschrank stellt meiner Meinung nach einen idealen Ort für die Winterstarre von Schildkröten dar. Die Temperatur lässt sich leicht überwachen und die Tiere sind vor Fressfeinden bestens geschützt. Meine Nachzuchten halten ihre Winterstarre fast immer im Kühlschrank.

Griechische Landschildkröte Kühlschrank ÜberwinterrungsboxIn einer Box mit Erde können sich die Tiere vergraben und die Temperaturen im Innern mit einem Thermometer leicht überwacht und im Kühlschrank einfach reguliert werden. Der Kühlschrank sollte regelmäßig gelüftet, um frischen Sauerstoff zuzuführen, und die Erde nachgefeuchtet werden. Zu diesem Zweck greifen einige auf Sphagnum Moos zurück, welches angefeuchtet oben auf die Erde gelegt wird. Ich selbst habe das aber noch nie verwendet.

Winterstarre im Keller oder der Garage

Auch diese Orte werden für die Überwinterung genutzt. Das Manko ist allerdings, dass es an diesen Orten oftmals etwas zu warm ist. Die Temperatur sollte maximal bei 6° Celsius liegen, was nur in wenigen Kellern erreicht wird. Auch hier wieder die Schildkröten in eine Box mit Erde setzen, die ab und zu nachgefeuchtet wird.

Schildkröten aus der Winterstarre holen

Anfang bis Mitte März, nach ca. 4-5 Monaten, haben die Tiere genug gestarrt und man sollte sie langsam und nicht zu abruppt aus dem Winterschlaf holen.

Die Tiere die draußen überwintert haben werden von alleine zurück an die Erdoberfläche kommen. Sind die Temperaturen jedoch seit Längerem schon sehr warm und ihr seht von den Tieren noch nichts, könnt ihr sie auch vorsichtig ausbuddeln.

Solche die den Winter über im Kühlschrank waren müsst ihr selbstverständlich manuell wecken. Dazu die Kühlschranktemperatur zum Ende der Starre hin schrittweise auf 8° bis 11° Celsius erhöhen. Die Box später an einen ähnlich warmen Ort (z.B draußen oder im Keller) platzieren. Die Schildkröten graben sich dann von alleine aus, was meiner Erfahrung nach bei den meisten Tieren recht flott geschieht. Manche lassen sich aber damit auch mehrere Stunden oder Tage Zeit. Den Tieren sollte sofort zu Beginn Wasser zur Verfügung stehen, damit sie ausgiebig trinken können um ihren Wasserhaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Dieses Angebot nehmen sie in der Regel auch dankend an.

Weitere Informationen kannst du in den Beiträgen der Kategorie Winterstarre nachlesen

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