Archiv der Kategorie: Schildkröte des Jahres

Villa Amanda wählt jedes Jahr ihre ganz eigene Schildkröte des Jahres

Villa Amandas Schildkröte des Jahres 2015: Europäische Sumpfschildkröte

Wie in jedem Jahr, möchte ich heute den Weltschildkröten Tag dafür nutzen, meine ganz eigene Schildkröte des Jahres vorzustellen und euch ein paar Infos über diese zu liefern. In diesem Jahr ist es die europäische Sumpfschildkröte, die auch von der DGHT in diesem Jahr zum Reptil des Jahres gewählt worden ist.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularisDie europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis ist die einzige in Deutschland beheimatete Schildkröte. Wie der Name es schon vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um eine Land-, sondern um eine Wasserschildkröte. Der Name orbicularis bedeutet „mit kleinen Kreisen“ und bezieht sich auf die gelben Kreise an den Wangen und auf dem Panzer. Mit ihren 13 bis 20cm Panzerlänge zählt sie zu den kleinen bis mittelgroßen Schildkröten.

Erst seit jüngster Zeit wird die Europäische Sumpfschildkröte in mehrere Unterarten unterteilt. Durch genetische Untersuchungen wechselt die Anzahl der Unterarten immer wieder mal. In Deutschland heimisch ist die Pontische Sumpfschildkröte Emy orbicularis orbicularis.

Überwiegend karnivor ernährt sich die Europäische Sumpfschildkröte hauptsächlich von Wasserschnecken und -insekten, Muscheln, kleinen Fischen, aber auch verschiedene Wasserpflanzen stehen auf dem Speiseplan. Sie frisst ausschließlich im Wasser, da sie nur unter Wasser schlucken kann. Lebensraum sind überwiegend flache, stehende Gewässer, die sich leicht von der Sonne erwärmen lassen.

Melbweiher Bonn
Der Melbweiher in Bonn, hier leben auch Europäische Sumpfschildkröten

Große Schildkröten haben kaum Fressfeinde, Jungtiere und Gelege sind aber zahlreichen Feinden ausgesetzt. So fallen beispielsweise Wildschweine, Füchse und Dachse über die Gelege her, Raben Krähen und andere größere Vögel über die Jungtiere. Auch im Wasser sind sie nicht sicher, wo Welse und Hechte auf sie lauern.

Paarungszeit beginnt im Frühjahr. Das Männchen treibt das Weibchen dafür ins Wasser und umklammert es anschließend. Daraufhin bringt das Männchen das Weibchen durch schnappen dazu ihren Kopf einzuziehen, damit sich die Kloake raus streckt, wodurch das Männchen besser eindringen kann. Die Eier werden an sandigen, sonnigen Plätzen abgelegt und brauchen dann ca. 80-120 Tage, bis die Jungtiere schlüpfen.

Die Art ist sehr stark vom aussterben bedroht. Grund dafür ist einmal mehr der Mensch, der durch Flussbegradigungen und Austrocknung von Gewässern den Schildkröten ihren Lebensraum entzieht. In Deutschland gibt es nur sehr wenige natürliche Vorkommen in Brandenburg. Die übrigen Populationen sind auf (kontrollierte) Auswilderung zurückzuführen. Es gibt einige Artenschutzprojekte, die versuchen die Schildkröte wieder anzusiedeln. In Hessen konnten bereits erste Erfolge erzielt werden. So fand man 2013 ein Jungtier nahe der Nidda und 2014 einen Schlüpfling im Reinheimer Teich.

Auch hier in Bonn gibt es ein kleineres Projekt. Der Botanische Garten Bonn hat im frisch sarnierten Melbweiher Europäische Sumpfschildkröten ausgesetzt, in der Hoffnung das diese sich dort eines Tages vermehren. Bei der Aussetzung war ich damals live vor Ort. Die Schildkröten haben die ersten Winter gut überstanden, für Nachwuchs sind sie allerdings noch zu jung.

Europäische Sumpfschildkröten

Quellen:
[1] EmysHome: Wissenswertes rund um die Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis (Linnaeus, 1758)
[2] Artenschutzprojekt Sumpfschildkröte
[3] DGHT: Reptil des Jahres 2015: Die Europäische Sumpfschildkröte
[4] Wikipedia: Europäische Sumpfschildkröte

Villa Amandas Schildkröte des Jahres 2014: Jangtse-Riesenweichschildkröte

Es ist wieder Welt-Schildkröten-Tag und wie zuvor angekündigt kommt hier die kleine Überraschung: Von diesem Jahr an werde ich am Welt-Schildkröten-Tag meine ganz persönliche Schildkröte des Jahres präsentieren.

Jangtse-Riesenweichschildkröte Rafetus swinhoeiIn diesem Jahr ist es die Jangtse-Riesenweichschildkröte Rafetus swinhoei. Ihr habt noch nie von dieser Schildkröte gehört? Das könnte an ihrem Spitznamen einsamstes Tier der Welt liegen. Nach dem Tod von Lonesome George 2012 beansprucht diese Spezies diesen Titel nämlich für sich. Es ist unnötig zu erwähnen, dass diese Spezies extrem stark vom aussterben bedroht ist. 2004 gab es lediglich 5 Tiere in menschlicher Obhut. 2006 waren es nur noch 3. Die Turtle Survival Alliance plante in dem Jahr die damals verbliebenen 3 Exemplare, welche alle in unterschiedlichen Zoos untergebracht waren, zusammen zu führen, doch bevor dies in Angriff genommen werden konnte, gab es nur noch 1 Exemplar, ein etwa 100 Jahre altes Männchen. Nachdem so ziehmlich alle Zoos in China angeschrieben wurden, fand man aber tatsächlich noch ein ca. 70-80 Jahre altes Weibchen. Ein riesen Glückstreffer.

Im Video sieht man die Zusammenführung der beiden Tiere.

Über die Jangtse-Riesenweichschildkröte weiß man nicht viel, außer dass sie ursprünglich im südlichen China und nördlichen Vietnam vorkamen. Sie können eine Länge von über einem Meter erreichen und haben eine helle, schweineschnauzen-ähnliche Nase. Der Panzer ist weich und Lederartig mit einer Länge von fast 60 cm Stockmaß. Mit Kopf und Schwanz können sie eine Länge von über einem Meter erreichen. Eingriffe in die Natur zur Begradigung von Flüssen, starke Umweltverschmutzung und Bejagung führten dazu, dass die Schildkröte heute fast ausgestorben ist. Das Fleisch war eine beliebte Speise und der Panzer wurde für medizinische Zwecke eingesetzt.

Nachzuchtversuche der Jangtse-Riesenweichschildkröte

Seit einigen Jahren versucht die Turtle Survival Alliance die Tiere zu züchten. Es wurden bislang zwar mehrere Nester gelegt, doch eine Erfolgreiche Bebrütung blieb aus. Zu Beginn waren die Eier nicht fest genug. Auf Grund falscher Ernährung war die Schale zu dünn, viele Eier zersprangen beim Legen, die Embryos in den anderen starben schon zu einem frühen Zeitpunkt. In den folgenden Jahren blieben die Eier unbefruchtet, dabei waren es 2011 immerhin 188 Stück. Warum sie unbefruchtet waren, kann man nicht genau sagen. Es könnte am Alter des Männchens liegen, es könnte daran liegen, dass es nicht zu einer Paarung kam (die unbeobachtbar in den Tiefen des schlammigen Beckens statt findet) oder an den vielen Besuchern des Zoos, die Chips und andere Süßigkeiten in das Becken werfen, die die Jangtse-Riesenweichschildkröten fressen und dadurch in ihrer Furchtbarkeit beeinträchtigt werden.

Jangtse-Riesenweichschildkröte Rafetus swinhoei

In der Zwischenzeit wurden zwei weitere Exemplare gefunden. Eines davon ist im Hoan-Kiem-See in Hanoi beheimatet und wurde mittlerweile als eigene Unterart Rafetus leloi beschrieben. Die Gültigkeit dieser Unterscheidung ist aber derzeit umstritten. Eine Expedition der Turtle Survival Alliance in 2012 blieb bei der Suche nach weiteren wildlebenden Exemplaren leider erfolglos. Leider hat man danach auch nichts mehr über weitere Versuche gehört. Es ist möglich, dass im letzten Jahr die hohen Kosten von ca. 30.000$ nicht gedeckt werden konnten und ein weiterer Versuch, die Tiere zu vermehren ausblieb. Es war auch mal im Gespräch das Sperma des Männchens zu gewinnen und das Weibchen damit künstlich zu befruchten. Allerdings besteht dabei ein recht hohes Risiko, dass das Männchen stirbt.

Jangtse-Riesenweichschildkröte Rafetus swinhoeiSo bleibt das Schicksal der Jangtse-Riesenweichschildkröte, der größten Süßwasserschildkröte der Welt, vorerst ungewiss. Hoffentlich ereilt sie nicht das gleiche Schicksal wie Lonesome George. Für mich ist dieses Paradebeispiel, vom negativen Einfluss des Menschen auf die Umwelt, Anlass die Jangtse-Riesenweichschildkröte zu meiner persönlichen Schildkröte des Jahres zu ernennen. Hoffentlich gibt es dieses Jahr einen Zuchterfolg.

Quellen:

  1. http://www.turtlesurvival.org/blog/1-blog/57-second-breeding-attempt-for-rafetus-swinhoei-in-china-leads-to-cautious-optimism#.U376JigbQsQ
  2. http://www.turtlesurvival.org/blog/1-blog/159-rafetus-breeding-attempt-2011#.U376IygbQsQ
  3. http://www.turtlesurvival.org/component/taxonomy/term/summary/95/7#.U376KSgbQsQ
  4. http://news.nationalgeographic.com/news/2013/07/130703-china-yangtze-giant-softshell-turtle-animal-science/
  5. http://eol.org/pages/1055449/overview
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Jangtse-Riesenweichschildkr%C3%B6te