Schildkröten gehören nicht unter den Weihnachtsbaum

Advent, Advent die Schildi pennt…

…und so soll es auch bleiben! Jetzt in der kalten Jahreszeit hält die griechische Landschildkröte, genau wie andere europäische Landschildkröten, die für sie lebenswichtige Winterstarre. Aus dieser sollte sie auch nicht einfach wieder rausgeholt werden.

Auch wenn die lieben Kinder sich so sehr eine Schildkröte zu Weihnachten wünschen, solltet ihr diesem Wunsch nicht nachkommen. Zum einen wegen der Winterstarre und zum anderen, weil Schildkröten keine klassischen „Kuscheltiere“ sind und Kinder das Interesse in der Regel sehr schnell wieder verlieren. Und dann? Dann landen sie meist in einem Tierheim, einer Auffangstation oder werden oftmals sogar einfach ausgesetzt.

Dies will ich verhindern und bitte alle: Keine Schildkröten zu Weihnachten zu verschenken.

Schildkröte WeihnachtsbaumWas kann ich alternativ tun?

Ist der Wunsch nach einer Schildkröte als Haustier dennoch ungebrochen, so soll natürlich auch nicht ganz darauf verzichtet werden. Alternativ könnt ihr…

  • …eine Plüsch-Schildkröte oder anderen Schildkröten Artikelunter den Baum legen
  • oder ein informatives Buch zur Schildkrötenhaltung
  • oder einen Beratungstermin bei einem Züchter aus der Umgebung machen
  • oder einen Gutschein darüber schenken, dass ihr euch gemeinsam mit eurem Kind über die Anforderungen einer Schildkröte informiert und dann gegebenenfalls später eine Schildkröte holt.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen 1. Advent, sowie viel Kraft für den bevorstehenden Weihnachtsstress.

Europäische Sumpfschildkröte vom DGHT zum Reptil des Jahres 2015 ernannt

Die einzige in Deutschlands freier Wildbahn beheimatete Schildkröte, die europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis hat es geschafft und wurde dieser Tage von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum Reptil des Jahres 2015 ernannt.

Seit dem ich letztes Jahr bei der Ansiedlung der europäischen Sumpfschildkröte im Bonner Melbweiher dabei gewesen bin, habe ich mich richtig in die sehr stark vom Aussterben bedrohten Tiere verliebt und freue mich über deren Ernennung.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis

Folgend ein Auszug aus der Pressemitteilung des DGHT

Heute ist die Europäische Sumpfschildkröte in Deutschland extrem selten und hochgradig vom Aussterben bedroht. Sie ist streng geschützt und gilt in fast allen deutschen Bundesländern als ausgestorben, die letzten ursprünglichen Vorkommen finden sich nur noch in Brandenburg. Nachweise dieser Art in allen anderen deutschen Bundesländern gehen mit größter Sicherheit auf Aussetzungen zurück.

Die Europäische Sumpfschildkröte ist eine tagaktive, eierlegende Wasserschildkröte, die in der Natur sehr scheu ist. Sie wird maximal 23 cm lang und besiedelt Europa in mehreren Unterarten. Ihr bevorzugter Lebensraum in Mitteleuropa sind stehende, sonnige Gewässer mit flachen, reich bewachsenen Uferzonen.

Neben exzessivem Fang und Handel trugen die zunehmende Industrialisierung und Erschließung der letzten natürlichen Lebensräume zum raschen Niedergang der Art bei uns bei. Naturinteressierten die Europäische Sumpfschildkröte näher zu bringen und mit dieser Flaggschiffart auch den allgemeinen Respekt vor der einheimischen Natur zu vergrößern, sind wichtige Ziele der Kampagne zum Reptil des Jahres 2015.

Jede Beeinträchtigung und Störung der Europäischen Sumpfschildkröte oder ihrer Lebensräume in der Natur sind streng verboten, ebenso wie illegale Aussetzungen von Tieren dieser oder ähnlicher Arten. Wissenschaftlich begleitete Schutz-, Nachzucht- und Ansiedlungsprojekte hingegen, wie in Brandenburg oder im Rahmen des deutsch-französischen Interreg-Projekts „Sumpfschildkröte ohne Grenzen“, können helfen, das Interesse in der Bevölkerung zu wecken und die bei uns einst häufige Art in nach strengen Kriterien ausgewählten Lebensräumen vielleicht wieder heimisch zu machen.

Weiterführende Information über die europäische Sumpfschildkröte beim DGHT

Quelle: Pressemitteilung des DGHT

Warum einige Schildkröten durch die Kloake atmen können

Sicherlich habt ihr auch irgendwo schon einmal gehört oder gelesen, dass Schildkröten durch den Anus, oder besser gesagt die Kloake, atmen können. Wer dies bislang für einen Scherz hielt der irrt, denn es gibt tatsächlich einige Arten wie die Zierschildkröte, die durch ihre Kloake atmen können.

Dies macht für Arten, die unter Wasser überwintern auch Sinn. Wie kürzlich berichtet, haben Schildkröten einen speziellen Muskel, der aktiv bewegt werden muss, um atmen zu können. Dabei entsteht dieses schildkrötentypische Zucken von Kopf und Beinen. Der Muskel verbraucht dabei vergleichsweise viel Sauerstoff, der unter Wasser eher knapp ist und Luftholen bei zugefrorenen Seen teilweise auch Wochen- oder Monatelang unmöglich ist. Durch die anaerobe Lebensweise steigt der Milchsäure gehalt bei Benutzung der Muskeln stark an, was schnell zu einer Übersäuerung führen kann.

Zierschildkröte Chrysemys picta dorsalis

Daher haben manche Arten speziell ausgebildete, fingerartige Erweiterungen an der Kloake, die mit Blutgefäßen verbunden sind. Durch Muskelkontraktionen an der Kloake werden sie mit Wasser umspült, wodurch Sauerstoff aus dem Wasser aufgenommen werden kann. Die nötige Energie und der Sauerstoffverbrauch für die Muskelkontraktion an der Kloake sind viel geringer, sodass eine Übersäuerung erst viel später eintritt.

Quellen:

 

Vorzeitliche Riesenschildkröte in Spanien entdeckt

Genauer gesagt in Madrid fand fand man Fossilien einer Schildkröte, die mit ca. 2 Metern Panzerlänge noch größer war als die heutigen Riesenschildkröten auf den Galapagos Inseln. Wegen ihrer Größe und den wohl sehr robusten Extremitäten wurde sie auf den Namen Titanochelon getauft. Beheimatet war sie vermutlich in Westeuropa und Teilen Asiens und lebte vor 20 mio bis 2 mio Jahren unserer Zeit.

Sehr interessant ist, dass der Fossilienfund schon fast ein ganzes Jahrhundert zurück liegt. In den 1920er Jahren fing man mit den Untersuchungen an, welche sehr langwierig waren und Mitte der 30er Jahre durch den spanischen Bürgerkrieg unterbrochen wurden. 2005 fing man dann quasi von vorne an, fand weitere Fossilien und konnte nun die Art der Riesenschildkröte bestimmen. Einige Bilder findet ihr in nachfolgendem Link.

Quelle:
Pressemitteilung MNCN: http://www.mncn.csic.es/docs/repositorio//es_ES//comunicacion/2014/11_noviembre/tortugas/05_noviembre_2014_tortugasmioceno.pdf

Schildkröten verdanken Panzer der Muskelatmung

Eunotosaurus africanus
Hier sieht man die stark verbreiterten Rippen

Das Schildkröten etwas anders atmen als andere Tiere ist ja einigen schon bekannt. Das typische zucken von Beinen und Kopf, was Schildkröten immer wieder zeigen, dient nämlich dazu um zu atmen. Die Atmung ist mit Hilfe einer an der Schale befestigten Muskelschlinge erst möglich.

Wie die Neue Zürcher Zeitung nun berichtet, fand ein Forscherteam von nordamerikanischen, afrikanischen und europäischen Wissenschaftlern heraus, dass bereits die Urschildkröte mit Hilfe eines solchen Muskels atmete und bezieht sich dabei auf einen Artikel aus dem Fachjournal Nature Communications.

Dabei fand man heraus, dass bereits das fossile Reptil Eunotosaurus africanus vor bereits 260 millionen Jahren eine Muskelschlinge besaß, mit deren Hilfe es atmen konnte. Das Reptil besaß noch keinen Panzer, aber stark verbreiterte Wirbel, die die Bewegungsfähigkeit des Brustkorbes bereits stark einschränkten.

„Eunotosaurus ist ein morphologisches Bindeglied zwischen dem Körperbauplan früher Reptilien und dem hoch modifizierten Bauplan der heute lebenden Schildkröten“

-Torsten Scheyer, paläontologisches Institut Uni Zürich-

Bilder aus dem Artikel findet ihr auf dem Link ganz unten.

Wie sich der Schildkrötenpanzer entwickelte, berichtete ich ja bereits.

Quellen:
Zeitungsartikel: http://www.nzz.ch/wissenschaft/biologie/muskelatmung-ermoeglichte-panzer-der-schildkroeten-1.18420699
Evolutionary Origin of the Turtle Shell: http://www.cell.com/current-biology/abstract/S0960-9822(13)00566-6

Europäische Sumpfschildkröten im Bonner Melbweiher – Ein Jahr danach

Vor einem Jahr war ich live vor Ort, als ein paar dutzend kleine europäische Sumpfschildkröten in den Melbweiher im botanischen Garten in Bonn entlassen wurden. Ich berichtete.

Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis
Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis

Jetzt ein Jahr später interessierte mich, wie es den bedrohten Sumpfschildkröten wohl ergangen ist und machte mich vor einigen Wochen, an einem spätsommerlichen Tag, auf den Weg in besagten botanischen Garten, um nach den Tieren zu sehen.

In und um den riesigen Weiher herum ließ sich leider keine der Schildkröten blicken. Dafür aber jede Menge Frösche. In einem der Gewächshäuser wurde ich dann schließlich doch fündig. Zuerst entdeckte ich eine unter Wasser und wenig später ging sogar eine Schildkröte an Land.

Florida HöckerschildkröteMich verwunderte es, dass die Schildkröten in einem Gewächshaus waren und nicht im Freigehege. Ich bin zwar kein Experte und habe bislang nur wenige Europäische Sumpfschildkröten gesehen, aber die in dem Gewächshaus, sahen für mich auch irgendwie komisch aus. Da ich dieser Frage auf den Grund gehen und auch genauer wissen wollte, wie es den europäischen Sumpfschildkröten in ihrem ersten Jahr ergangen ist, schrieb ich eine Mail an den botanischen Garten und erhielt folgende Antwort.

„die Schildkröten haben den ersten Winter gut überstanden. In den ersten Wochen kam es allerdings zu einigen Verlusten, da Krähen einige der noch sehr kleinen Schildkröten getötet haben. Wir haben ca. vier verstümmelte tote Jungtiere gefunden, vielleicht waren es einige mehr.
Wir haben den Sonnenplatz dann mit einem Netz verhangen, sodass die Krähen dort nicht mehr hin konnten und haben keine Toten mehr gefunden.
Paarungen haben wir keine beobachtet, aber die Tiere sind dazu m.E. auch noch zu jung.“

Bei den Schildkröten im Gewächshaus handelt es sich um Florida Höckerschildkröten, diese sind das ganze Jahr über in dem Gewächshaus, da es hier zu kalt für sie ist.

Florida Höckerschildkröte

Für mich eine sehr erfreuliche Nachricht, dass es nur wenige Verluste gab und der Großteil den Winter überstanden hat. Scheinbar sind die Bedingungen im Melbweiher sehr gut für europäische Sumpfschildkröten.

Sollte es in der Zukunft zu Paarungen kommen und eventuell sogar zur erfolgreichen Bebrütung, dann wäre dies ein wichtiger Schritt für die Rettung der stark vom aussterben bedrohten Schildkröten. Soweit ich weiß, gibt es nur sehr wenige wildlebende Populationen in Deutschland, die aber künstlich vermehrt werden. In Österreich hingegen gibt es noch eine Population, die sich selbst reguliert. Es gibt aber mehrere Wiederansiedlungsprojekte.